M.Sc. Verhaltenstherapie

Die Psychologische Hochschule Berlin verbindet die Psychotherapieausbildung, die zur Approbation mit Fachkundenachweis (PsychTh-APrV) für Verhaltenstherapie oder Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie führt, im Rahmen eines speziellen Modells mit dem weiterführenden Masterstudiengang M.Sc. Psychotherapie. Dieses Modell ist besonders für angehende Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten geeignet, die eine Ausbildung auf dem aktuellen Wissens- und Erkenntnisstand anstreben und damit verbunden auch eigene wissenschaftlichen Interessen weiter verfolgen wollen.

Jedes Jahr werden zum Wintersemester bis zu 18 Teilnehmer aufgenommen. Die Praktische Tätigkeit kann vorzeitig nach Vertragsabschluss begonnen werden. Die Theorieseminare finden vorwiegend in Blockphasen an den Wochenenden (inklusive Freitag) statt – insgesamt 10-15 Wochenenden und 1-2 Blockwochen (u.a. „PHB-Summerschool“) pro Studienjahr. Studium und Ausbildung gliedern sich in ca. 700 Theoriestunden (davon 630 auf die Therapieausbildung anrechenbare), 1.800 Stunden Praktische Tätigkeit und ca. 1.000 Stunden Praktische Ausbildung (Behandlungen, Supervision, Selbsterfahrung) sowie das Masterprojekt.

 

Warum eine Ausbildung in Verhaltenstherapie?

Erhalt und Wiederherstellung psychischer Gesundheit haben gesellschaftlich eine große und weiter zunehmende Bedeutung. In der Behandlung psychischer Störungen spielt die Psychotherapie als Therapiealternative erster Wahl eine zentrale Rolle. Es besteht ein großer Bedarf an Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten, die – auf Niveau eines selbstständigen akademischen Heilberufs (Approbation) – ambulant, in Kliniken oder anderen Einrichtungen Betroffene behandeln und somit zur Gesundheitsversorgung beitragen.

Die Verhaltenstherapie spielt hierbei eine prominente Rolle. Unter Verhalten werden in der Psychologie verschiedene menschlichen Reaktionen beschrieben: das sichtbare Handeln, aber auch mit welchen inneren Bildern, Gedanken, Gefühlen und körperlichen Empfindungen wir auf bestimmte Situationen reagieren. Diese Reaktionen hängen miteinander zusammen, und es können im Laufe der Lerngeschichte eines Menschen problematische Muster entstehen, die langfristig negative Konsequenzen für das Individuum haben (wie z.B. übersteigerte Ängste, depressiver Rückzug, Suchtverhalten, zwischenmenschliche Probleme und Persönlichkeitsstörungen). Solches Problemverhalten führt dann zu starker Belastung und Beeinträchtigung. Die Verhaltenstherapie als psychotherapeutische Grundorientierung beinhaltet störungsspezifische und –unspezifische therapeutische Verfahren, die sich auf möglichst hinreichend geprüftem Störungswissen und psychologischem Änderungswissen eine systematische Besserung der zu behandelnden Problematik anstreben. Die Maßnahmen verfolgen konkrete und operationalisierte Ziele und leiten sich aus Störungsdiagnostik und individueller Problemanalyse ab. Bei Fallkonzeption und Therapieplanung werden prädisponierende, auslösende und/oder aufrechterhaltende Problembedingungen berücksichtigt. Einen inhaltlichen Einblick über die Verhaltenstherapie, wie sie an der PHB gelehrt wird, bieten etwa Brakemeier & Jacobi (2017) und Margraf & Schneider (2019)[1]. Der ständigen und dynamischen Entwicklung der Verhaltenstherapie in den vergangenen Jahrzehnten wird an der PHB Rechnung getragen, indem neben „klassischer“ kognitiver Verhaltenstherapie auch moderne Ansätze – wie etwa CBASP (ein moderner Ansatz zur Behandlung chronischer Depressionen) oder DBT (spezielle Vorgehensweisen zur Behandlung von Borderline Persönlichkeitsstörungen) – einführend vermittelt werden.

 

Psychotherapie PLUS: Kombination von Studium und Ausbildung an der PHB

Welchen Gewinn hat ein weiterführender Master in Psychotherapie – welcher Mehraufwand besteht im Vergleich zur reinen Ausbildung?

Die Kombination aus Ausbildung und Studium ist aus verhaltenstherapeutischer Perspektive naheliegend, denn die VT verfolgt in besonderem Maße auch in ihrer Praxis eine wissenschaftliche Haltung („scientist-practitioner“) und hat den Anspruch, die Wirksamkeit ihrer vielfältigen Methoden fortlaufend empirisch abzusichern.

Natürlich kann auch eine zielgerichtet wissenschaftliche Karriere hier ihren Anfang nehmen. Die PHB bietet ihren Studierenden an, bestehende Forschungsaktivitäten der Professorinnen und Professoren aktiv mitzugestalten und in ihrem Masterprojekt eigenen Forschungsinteressen, auch angebunden an die Praktische Tätigkeit in der Ausbildung, nachzugehen. Durch Kooperationen mit anderen Universitäten kann an der PHB auch eine Promotion realisiert werden.

Grundlegend für Studium und Ausbildung an der PHB ist auch die Vermittlung von verfahrensübergreifenden Kompetenzen und die Überwindung veralteter Schulenstreits. Studierende sollen in die Lage versetzt werden, Theorie und Methode anderer wissenschaftlich anerkannter Verfahren zu verstehen. An der PHB wird in Seminaren und Fallvorstellungen gemeinsam mit Auszubildenden in Psychodynamischer Therapie und Systemischer Therapie voneinander gelernt. Gemeinsame Forschungs- und Masterprojekte helfen weiter, die eigene Perspektive zu erweitern und zu schärfen.

Der eigentliche Mehraufwand dieses Modells besteht im Erarbeiten und Verfassen einer Masterarbeit und durchschnittlich einer Modulprüfung pro Semester. Die Modulprüfungen bereiten ideal auf die Approbationsprüfung vor. Die Dauer von Studium und Ausbildung ist deshalb auf insgesamt 7 Semester ausgelegt. Zum Vergleich: die durchschnittliche Dauer einer dreijährigen Vollzeitausbildung beträgt bundesweit über 4,5 Jahre, wobei diese Dauer in der Regel durch noch laufende Psychotherapien der Praktischen Ausbildung bedingt ist. Es ist daher sehr gut möglich, die Kombination von Ausbildung und Studium an der PHB in der gleichen Zeit abzuschließen wie eine reine Ausbildung. Betrachtet man Studium, Ausbildung und Ambulanzeinnahmen insgesamt, sind die Kosten für Studium und Ausbildung an der PHB nicht höher als bei einer reinen Ausbildung.

[1] Brakemeier, E.L. & Jacobi, F. (Hrsg.) (2017). Verhaltenstherapie in der Praxis. Weinheim: Beltz.
Margraf, J. & Schneider, S. (Hrsg.) (2018). Lehrbuch der Verhaltenstherapie (4. Aufl.) [Band I-IV]. Heidelberg. Springer.