M.Sc. Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie

Die Psychotherapieausbildung in Tiefenpsychologisch fundierter Psychotherapie ist an der PHB im Rahmen eines zukunftsweisenden Modells mit dem weiterführenden Masterstudiengang M. Sc. Psychotherapie verbunden. Diese Kombination ist besonders für angehende Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten geeignet, die eine Ausbildung auf dem aktuellen Wissens- und Erkenntnisstand anstreben und damit verbunden auch eigene wissenschaftlichen Interessen weiterverfolgen wollen.

Jedes Jahr werden zum Wintersemester bis zu 18 Teilnehmer aufgenommen. Die Theorieseminare finden vorwiegend in Blockphasen an den Wochenenden (inklusive Freitag) statt – insgesamt 10-15 Wochenenden und ein bis zwei Blockwochen pro Studienjahr. Studium und Ausbildung gliedern sich in ca. 700 Theoriestunden (davon 630 auf die Therapieausbildung anrechenbar), 1.800 Stunden Praktische Tätigkeit und ca. 1.000 Stunden Praktische Ausbildung (Behandlungen, Supervision, Selbsterfahrung) sowie das Masterprojekt.

 

Warum eine Ausbildung in Tiefenpsychologisch fundierter Psychotherapie?

Die Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie (TP) ist neben der Psychoanalyse, der Verhaltenstherapie und der Systemischen Therapie eines der vier Richtlinienverfahren, die in Deutschland zur Abrechnung mit den Krankenkassen anerkannt sind. Die Wirksamkeit psychodynamischer Verfahren ist empirisch für die meisten Störungsbilder durch eine Vielzahl von Studien belegt. Die Bedeutung der TP für das Gesundheitssystem ist groß: Etwa die Hälfte aller ambulant durchgeführten Psychotherapien finden in den psychodynamischen Verfahren (TP und Psychoanalyse) statt – davon wiederum mehr als 80 Prozent in Tiefenpsychologisch fundierter Psychotherapie.

Im Unterschied zur Verhaltenstherapie zielen psychodynamische Verfahren weniger darauf ab, das Verhalten der Patienten direkt zu beeinflussen. Es geht vielmehr um eine emotionale Neuerfahrung in der therapeutischen Beziehung, in der aktuell konflikthafte Beziehungsthemen und schwierige Beziehungserfahrungen aus der biographischen Vergangenheit gemeinsam verstanden und durchgearbeitet werden. Diese Beziehungsthemen werden in Zusammenhang mit der Symptomatik gebracht und hierüber wird eine Verbesserung der Symptome erreicht. Bei Patienten mit strukturellen Beeinträchtigungen (Störungen in Persönlichkeits-Funktionen wie Identität, Selbststeuerung, Empathie, Nähe) arbeitet die psychodynamische Therapie zusätzlich mit speziellen Interventionen. Einen inhaltlichen Einblick in die moderne psychodynamische Therapie, wie sie an der PHB gelehrt wird, bieten Gumz & Hörz-Sagstetter (2018)[1].

Nicht nur für Patienten, sondern auch für psychodynamische Therapeuten ist das Verständnis für eigene konflikthafte Beziehungsthemen und unbewusste seelische Vorgänge wichtig. Es ist einerseits therapeutisches Arbeitsmittel und andererseits unverzichtbar für die Entwicklung einer Therapeutenpersönlichkeit. Die TP-Ausbildung an der PHB enthält daher mit 200 Stunden einen großen Selbsterfahrungsanteil. Davon finden 140 Stunden in Form von Einzelselbsterfahrung bzw. als Lehrtherapie statt. In diesem hohen Anteil von Lehrtherapiestunden liegt im Wesentlichen auch der Kostenunterschied zwischen einer verhaltenstherapeutischen und einer psychodynamischen Ausbildung begründet.

 

Kombination von Studium und Ausbildung an der PHB

Welchen Gewinn hat ein weiterführender Master in Psychotherapie – welcher Mehraufwand besteht im Vergleich zur reinen Ausbildung?

Die Kombination aus Ausbildung und Studium ist gerade für tiefenpsychologisch fundiert arbeitende Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten überaus wichtig und gewinnbringend: Die TP-Ausbildung klar auf ihr theoretisches und wissenschaftliches Fundament zu beziehen, stärkt das Selbstbewusstsein und die Rollensicherheit in der psychodynamischen Arbeit und sorgt für eine feste Verankerung des Verfahrens im Wissenschaftssystem. Natürlich kann auch eine zielgerichtete wissenschaftliche Karriere hier ihren Anfang nehmen. Die PHB bietet ihren Studierenden an, bestehende Forschungsaktivitäten der Professorinnen aktiv mitzugestalten und in ihrem Masterprojekt eigenen Forschungsinteressen, auch angebunden an die Praktische Tätigkeit in der Ausbildung, nachzugehen. Durch Kooperationen mit anderen Universitäten kann an der PHB auch eine Promotion umgesetzt werden. Nicht zuletzt sind nur wissenschaftlich tätige Tiefenpsychologen in der Lage, die TP zurück an die Hochschulen zu bringen und so zu einer ausgewogenen Darstellung der Psychotherapieverfahren für künftige Generationen von Studierenden beizutragen.

Zu Studium und Ausbildung an der PHB gehört auch die Vermittlung von verfahrensübergreifenden Kompetenzen. Studierende sollen in die Lage versetzt werden, Theorie und Methode anderer wissenschaftlich anerkannter Verfahren wie etwa der Verhaltenstherapie oder der Systemischen Therapie zu verstehen, was an der PHB unter anderem durch gemeinsame Vorlesungen und Fallseminare praktiziert wird.

Im Rahmen der studienintegrierten Ausbildung erarbeiten Studierende ein Masterarbeitsprojekt und absolvieren eine Modulprüfung pro Semester. Die Modulprüfungen bereiten ideal auf die Approbationsprüfung vor. Die Dauer von Studium und Ausbildung ist auf insgesamt 7 Semester ausgelegt. Zum Vergleich: die durchschnittliche Dauer einer dreijährigen Vollzeitausbildung beträgt bundesweit über 4,5 Jahre. Diese Dauer ist in der Regel durch noch laufende Psychotherapien der Praktischen Ausbildung bedingt. Es ist daher sehr gut möglich, die Kombination von Ausbildung und Studium an der PHB in der gleichen Zeit abzuschließen wie eine reine Ausbildung. Betrachtet man Studium, Ausbildung und Ambulanzeinnahmen insgesamt, sind die Kosten für Studium und Ausbildung an der PHB nicht höher als bei einer reinen Ausbildung.

[1] Gumz, A. & Hörz-Sagstetter, S. (Hrsg.) (2018). Psychodynamische Therapie in der Praxis. Weinheim: Beltz.