Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie

Für den Jahrgang 2022 gibt es aktuell noch freie Plätze – Bewerbungen sind noch bis Ende des Jahres möglich. Interessierte können sich bei unserem Team der Studienberatung unter studienberatung@phb.de informieren und beraten lassen!

Die studienintegrierte Approbationsausbildung in TP

Die Approbationsausbildungen in Tiefenpsychologisch fundierter Psychotherapie zeichnet sich an der PHB durch ihren verfahrensübergreifenden Charakter aus. Angehende systemische, verhaltenstherapeutische und psychodynamische TherapeutInnen lernen in einer Vielzahl gemeinsamer Veranstaltungen mit- und voneinander. Darüber hinaus ist die Ausbildung in besonderem Maß wissenschaftlich fundiert und wie ein Studium strukturiert. Es besteht die Möglichkeit, die Ausbildung mit einem zusätzlichen Master zu kombinieren (M.Sc. Psychodynamische Psychotherapie).

Das Ausbildungsangebot steht auch zukünftig noch AbsolventInnen der Psychologie mit einem Diplom- oder Masterabschluss offen, die ihr Psychologiestudium vor dem 1. September 2020 begonnen haben. Die Ausbildung qualifiziert für die Approbationsprüfung und Erlangung der Fachkunde nach bisherigem Rechtssystem und kann vor dem Hintergrund der Psychotherapeutengesetzreform regulär noch begonnen und bis 2032 sowie in Härtefällen bis 2035 beendet werden. Informationen und persönliche Beratung erhalten Interessierte beim Team der Studienberatung unter studienberatung@phb.de.

FAQ zur Psychotherapeutengesetzreform
Studienberatung der PHB

Die Psychotherapieausbildung in Tiefenpsychologisch fundierter Psychotherapie ist an der PHB im Rahmen eines zukunftsweisenden Modells mit einem postgradualen Masterstudium (M.Sc. Psychodynamische Psychotherapie) verknüpfbar. Dieses Modell ist besonders für angehende Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten geeignet, die eine Approbationsausbildung auf aktuellem Wissens- und Forschungsstand anstreben und die in diesem Modell eigene wissenschaftlichen Interessen weiter verfolgen können. Für Ausbildungsinteressierte, die keinen zusätzlichen Masterabschluss anstreben, fällt in diesem Modell kein Mehraufwand oder erhöhte Kosten an – sie profitieren jedoch von einem Ausbildungsmodell, das in besonderer Weise wissenschaftlich fundiert und wie ein Studium strukturiert ist – ohne dabei auf die notwendige Praxisorientierung einer Psychotherapieausbildung zu verzichten.

Jedes Jahr werden zum Wintersemester bis zu 18 Teilnehmer aufgenommen. Die Theorieseminare finden vorwiegend in Blockphasen an den Wochenenden (inklusive Freitag) statt – insgesamt 10-15 Wochenenden und ein bis zwei Blockwochen pro Studienjahr. Studium und Ausbildung gliedern sich in ca. 700 Theoriestunden (davon 630 auf die Therapieausbildung anrechenbar), 1.800 Stunden Praktische Tätigkeit und ca. 1.000 Stunden Praktische Ausbildung (Behandlungen, Supervision, Selbsterfahrung) sowie das Masterprojekt.

Die Approbationsausbildung wird geleitet von Prof. Dr. Antje Gumz und Prof. Dr. Susanne Hörz-Sagstetter.

Warum eine Ausbildung in Tiefenpsychologisch fundierter Psychotherapie?

Die Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie (TP) ist neben der Psychoanalyse, der Verhaltenstherapie und der Systemischen Therapie eines der vier Richtlinienverfahren, die in Deutschland zur Abrechnung mit den Krankenkassen anerkannt sind. Die Wirksamkeit psychodynamischer Verfahren ist empirisch für die meisten Störungsbilder durch eine Vielzahl von Studien belegt. Die Bedeutung der TP für das Gesundheitssystem ist groß: Etwa die Hälfte aller ambulant durchgeführten Psychotherapien finden in den psychodynamischen Verfahren (TP und Psychoanalyse) statt – davon wiederum mehr als 80 Prozent in Tiefenpsychologisch fundierter Psychotherapie.

Im Unterschied zur Verhaltenstherapie zielen psychodynamische Verfahren weniger darauf ab, das Verhalten der Patienten direkt zu beeinflussen. Es geht vielmehr um eine emotionale Neuerfahrung in der therapeutischen Beziehung, in der aktuell konflikthafte Beziehungsthemen und schwierige Beziehungserfahrungen aus der biographischen Vergangenheit gemeinsam verstanden und durchgearbeitet werden. Diese Beziehungsthemen werden in Zusammenhang mit der Symptomatik gebracht und hierüber wird eine Verbesserung der Symptome erreicht. Bei Patienten mit strukturellen Beeinträchtigungen (Störungen in Persönlichkeits-Funktionen wie Identität, Selbststeuerung, Empathie, Nähe) arbeitet die psychodynamische Therapie zusätzlich mit speziellen Interventionen. Einen inhaltlichen Einblick in die moderne psychodynamische Therapie, wie sie an der PHB gelehrt wird, bieten Gumz & Hörz-Sagstetter (2018)[1].

Nicht nur für PatientInnen, sondern auch für psychodynamische TherapeutInnen ist das Verständnis für eigene konflikthafte Beziehungsthemen und unbewusste seelische Vorgänge wichtig. Es ist einerseits therapeutisches Arbeitsmittel und andererseits unverzichtbar für die Entwicklung einer Therapeutenpersönlichkeit. Die TP-Ausbildung an der PHB enthält daher mit 200 Stunden einen großen Selbsterfahrungsanteil. Davon finden 140 Stunden in Form von Einzelselbsterfahrung bzw. als Lehrtherapie statt. In diesem hohen Anteil von Lehrtherapiestunden liegt im Wesentlichen auch der Kostenunterschied zwischen einer verhaltenstherapeutischen und einer psychodynamischen Ausbildung begründet.

 

Kombination von Ausbildung und zusätzlichem Master an der PHB

Welchen Gewinn bietet ein zusätzlicher Master – welcher Mehraufwand besteht im Vergleich zur reinen Ausbildung?

Die Kombination aus Studium und Ausbildung ist gerade für tiefenpsychologisch fundiert arbeitende Psychotherapeuten überaus wichtig und gewinnbringend: Die TP-Ausbildung klar auf ihr theoretisches und wissenschaftliches Fundament zu beziehen, stärkt das Selbstbewusstsein und die Rollensicherheit psychodynamischer Psychotherapeuten in der therapeutischen Arbeit und sorgt für eine feste Verankerung des Verfahrens im Wissenschaftssystem. Natürlich kann auch eine zielgerichtet wissenschaftliche Karriere hier ihren Anfang nehmen. Letztlich sind nur wissenschaftlich tätige Tiefenpsychologen in der Lage, die TP zurück an die Hochschulen zu bringen und so zu einer ausgewogenen Darstellung der Psychotherapieverfahren für künftige Generationen von Studierenden beizutragen.

Zu Studium und Ausbildung an der PHB gehört auch die Vermittlung von verfahrensübergreifenden Kompetenzen. Studierende sollen in die Lage versetzt werden, Theorie und Methode anderer wissenschaftlich anerkannter Verfahren wie Verhaltenstherapie, Systemische Therapie und Gesprächspsychotherapie zu verstehen.

Ausbildungsteilnehmende, die ihre Approbationsausbildung mit dem zusätzlichen Masterabschluss kombinieren wollen, können ihre Ausbildung mit einem wissenschaftlichen Masterprojekt verbinden. Die Forschungsgruppen der PHB bieten hierfür vielfältige praxisnahe Themen an – das Thema kann aber auch entsprechend der eigenen Interessen und Ziele frei gewählt werden. Darüber hinaus steht für alle Ausbildungsteilnehmenden durchschnittlich eine Modulprüfung pro Semester an. Die Modulprüfungen bereiten ideal auf die Approbationsprüfung vor. Die Dauer von Studium und Ausbildung ist deshalb auf insgesamt 7 Semester ausgelegt. Zum Vergleich: die durchschnittliche Dauer einer dreijährigen Vollzeitausbildung beträgt bundesweit über 4,5 Jahre, wobei diese Dauer in der Regel durch noch laufende Psychotherapien der Praktischen Ausbildung bedingt ist. Es ist daher ohne weiteres möglich, die Kombination von Ausbildung und Studium an der PHB in der gleichen Zeit abzuschließen wie eine reine Ausbildung. Betrachtet man Studium, Ausbildung und Ambulanzeinnahmen insgesamt, sind die Kosten für Studium und Ausbildung an der PHB nicht höher als bei einer reinen Ausbildung.

 

[1] Gumz, A. & Hörz-Sagstetter, S. (Hrsg.) (2018). Psychodynamische Therapie in der Praxis. Weinheim: Beltz.