Die Psychotherapeutengesetzreform

Was ändert sich für Studierende und PiAs?

Im Herbst 2019 haben Bundestag und Bundesrat eine weitreichende Reform des Gesetzes zur Ausbildung von PsychotherapeutInnen (PsychThG) beschlossen, die ab dem 1. September 2020 mit zwölfjähriger Übergangsfrist gültig sein wird. Mit der Reform wird die Ausbildung von Psychotherapeut/innen grundlegend umgestellt. So wird es künftig nötig sein, ein Studium mit psychotherapeutischer Ausrichtung zu absolvieren, um später als Psychotherapeut/in zu arbeiten. Die bisherige postgraduale psychotherapeutische Ausbildung wird in eine verfahrensspezifische Weiterbildung umgewandelt.

Was bedeutet das alles für aktuelle und künftige Studierende? Welche Änderungen wird es im Studiengangsmodell der PHB geben? Wir haben wichtige Fragen und Antworten (Stand: September 2020) zusammengestellt.

Mit der aktuellen Gesetzesreform wird ab dem 1. September 2020 die Ausbildung von Psychotherapeut/innen grundlegend umgestellt. Wer künftig eine Tätigkeit als Psychotherapeut/in im Rahmen der gesetzlichen Krankenversorgung anstrebt,  muss nach dem neuen Ausbildungsmodell zunächst ein psychotherapeutisch ausgerichtetes Studium absolvieren und im Anschluss an die Approbationsprüfung eine verfahrensspezifische Weiterbildung durchlaufen. Anstelle der bisherigen Berufsbezeichnungen („Psychologische/r Psychotherapeut/in“ sowie „Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut/in“) wird die einheitliche Berufsbezeichnung „Psychotherapeut/in“ eingeführt werden.

Studierende, die eine psychotherapeutische Tätigkeit anstreben, haben nach dem neuen System im Bachelorstudium noch die Möglichkeit, einen polyvalenten Studiengang zu wählen, der die Option für unterschiedliche Schwerpunktsetzungen offen lässt. Ein solcher Bachelorstudiengang wird ab dem Wintersemester 2020/21 auch an der PHB angeboten. Studierende müssen sich jedoch auch im Rahmen dieses polyvalenten Studiengangs für einen klinischen Profilbereich entscheiden, wenn sie sich eine psychotherapeutische Ausbildung offen halten wollen.

Im Masterstudium muss dann eine definitivere Entscheidung für eine psychotherapeutische Ausrichtung oder eine andere psychologische Schwerpunktsetzung (z.B. Arbeits- und Gesundheitspsychologie) getroffen werden. Die gesetzlichen Vorgaben für ein Masterstudium, das den Zugang zur Approbationsprüfung ermöglicht, sind so stark auf den klinischen Kontext ausgerichtet, dass hier im Unterschied zum Bachelorstudium keine Polyvalenz mehr möglich ist.

Die Approbationsprüfung wird nach dem neuen Modell im Anschluss an das erfolgreich absolvierte Masterstudium erfolgen. Mit der Approbation wird auch die Berufsbezeichnung „Psychotherapeut/in“ erworben.

Wer als niedergelassene/r Psychotherapeut/in im Rahmen der gesetzlichen Krankenversorgung arbeiten will, muss im Anschluss an die Approbation eine weiterführende verfahrensspezifische Qualifizierung absolvieren. Die bisherigen psychotherapeutischen Ausbildungen werden dabei künftig in voraussichtlich fünfjährige Weiterbildungen umgewandelt werden. Das neue Gesetz sieht dabei eine geregelte Vergütung der künftigen PiWs (Psychotherapeut/innen in Weiterbildung) während der Praxistätigkeiten vor. Als Nachteilsausgleich wird dies ab nächstes Jahr auch für aktuell in Ausbildung befindliche Psychotherapeut/innen angewendet werden.

Genaue Regelungen zu den verfahrensspezifischen Weiterbildungen durch die Psychotherapeutenkammern stehen jedoch noch aus. Sie werden voraussichtlich erst im Frühjahr 2021 vorliegen.

Für alle aktuell Studierenden und PiAs gilt, dass sie ihr Studium bzw. ihre begonnene Ausbildung beginnend mit dem 1. September 2020 innerhalb einer zwölfjährigen Übergangsphase auch nach dem alten System beenden können. Die so erworbenen Abschlüsse sind gleichwertig zu denen des neuen Ausbildungssystems.

Wer künftig nach dem neuen System eine berufliche Tätigkeit als Psychotherapeut/in anstrebt, muss folgende Ausbildungsschritte absolvieren:

  • Ein dreijähriges Bachelorstudium in einem polyvalenten Studiengang Wahl eines klinischen Schwerpunkts oder in einem Studiengang mit rein psychotherapeutischer Ausrichtung
  • Ein zwei-, eventuell auch zweieinhalbjähriges Masterstudium mit psychotherapeutischer Ausrichtung
  • Die Approbationsprüfung in Anschluss an das Masterstudium
  • Eine voraussichtlich fünfjährige verfahrensspezifische Weiterbildung

Alle Studierenden, die an der PHB ein Bachelor- oder Masterstudium in Psychologie begonnen haben, können dieses Studium nach dem alten Muster abschließen.

Ab dem Wintersemester 2020/21 ist das Bachelorstudium an der PHB außerdem so ausgerichtet, dass es den Vorgaben eines polyvalenten Bachelorstudiengangs nach dem neuen Psychotherapiegesetz entspricht, gleichzeitig aber auch für andere Vertiefungen im folgenden Masterstudium offenbleibt.

Neben dem bisherigen Masterstudiengang Psychologie wird es ab dem Wintersemester 2021/22 an der PHB auch einen Studiengang mit psychotherapeutischer Ausrichtung geben. Darüber hinaus ist ein weiterer Masterstudiengang mit einer Schwerpunktsetzung auf Arbeits- und Gesundheitspsychologie geplant.

Entsprechend den Vorgaben der Approbationsordnung müssen sich Studierende schon im Bachelorstudium entscheiden, ob Sie sich den Weg zur Ausbildung als Psychotherapeut/in offen lassen wollen. In diesem Fall müssen sie im Studium entsprechende Schwerpunkte wählen. Vor Beginn des Masterstudiums muss dann auch auf Ebene der Studiengangswahl eine entsprechende Entscheidung getroffen werden. Für eine spätere psychotherapeutische Weiterbildung müssen Studierende ein Masterstudium mit entsprechender Ausrichtung belegen. Da auch dieses Studium ein Psychologiestudium darstellen wird, stehen Absolventen und Absolventinnen mit dem entsprechenden Abschluss natürlich auch Berufswege in anderen psychologischen Anwendungsfeldern offen.

Das bisherige Modell einer psychotherapeutischen Ausbildung im Anschluss an ein psychologisches, pädagogisches oder sozialpädagogisches Studium wird strukturell umgestellt. Im neuen System erfolgt die Approbationsprüfung in Anschluss an ein erfolgreich absolviertes Bachelor- und Masterstudium mit psychotherapeutischer bzw. klinischer Ausrichtung. Absolventen und Absolventinnen können damit künftig schon nach dem Masterstudium die Berufsbezeichnung „Psychotherapeutin“ bzw. „Psychotherapeut“ führen.

Für eine Kassenzulassung wird allerdings auch künftig eine Weiterqualifizierung in einer der vier anerkannten Verfahrensrichtungen nötig sein. Diese werden jedoch nicht mehr den Charakter von Ausbildungen haben, sondern als Weiterbildungen angeboten werden. Genaue Regelungen und Vorschriften für die künftigen Weiterbildungen fehlen allerdings noch. Im Februar 2020 wurde die grundlegende Approbationsordnung durch das Gesundheitsministerium verabschiedet. Die Weiterbildungsordnung der Länderpsychotherapeutenkammern wird jedoch nach derzeitigem Wissensstand voraussichtlich nicht vor dem Frühjahr 2021 vorliegen.

Aktuell Studierende und Psychotherapeut/innen in Ausbildung haben ab dem 1. September 2020 weitere zwölf Jahre Zeit, ihre Therapieausbildung nach den bisherigen Prinzipien und Regelungen zu absolvieren. Für Studierende, die diesen Weg verfolgen möchten, ändert sich nur insofern etwas, als der Gesetzgeber auch für sie als Nachteilsausgleich eine Änderung in der Vergütung während der stationären Praxistätigkeit (PT I) vorgesehen hat. Hier ist künftig eine Vergütung in Höhe von mindestens 1.000 Euro monatlich vorgesehen.

Für Studierende, die sich vor dem Wintersemester 2020/21 schon im Bachelorstudium befunden haben, wird es Möglichkeiten für einen Quereinstieg in das neue Ausbildungssystem geben – es wird aber auch möglich sein, im Rahmen der zwölfjährigen Übergangsfrist sowohl das Masterstudium als auch die Therapieausbildung nach dem aktuellen Modell zu absolvieren.

Studierende, die sich derzeit schon im Masterstudium befinden und die den Beruf des Psychotherapeuten anstreben, haben ab dem 1. September 2020 weitere zwölf Jahre Zeit, die Approbationsausbildung nach dem alten System zu absolvieren. Ein Wechsel in das neue Ausbildungssystem wird hier nur in wenigen Fällen empfehlenswert sein.

Studierende, die eine berufliche Tätigkeit in einer der anderen Anwendungsfelder der Psychologie – wie z.B. der Arbeits- und Organisationspsychologie anstreben, werden künftig vermutlich noch stärker als bisher die Möglichkeit haben, sich entsprechend im Masterstudium zu spezialisieren. So wird es beispielsweise an der PHB mittelfristig die Möglichkeit geben, ein Masterstudium der Psychologie mit dem Schwerpunkt in Arbeits- und Organisationspsychologie zu belegen.

Sobald es genaue Vorgaben für die künftigen Weiterbildungen geben wird, wird die PHB diese auch anbieten. Der Erlass der entsprechenden Ordnungen wird allerdings nicht vor 2021 erwartet.

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Kontakt

M.Sc. Mona Brettschneider