Die Psychotherapeutengesetzreform

Was ändert sich für Studierende und PiAs?

Im Herbst 2019 haben Bundestag und Bundesrat eine weitreichende Reform des Gesetzes zur Ausbildung von PsychotherapeutInnen (Psychotherapeutengesetz / PsychThG) beschlossen, die seit dem 1. September 2020 mit zwölfjähriger Übergangsfrist gültig ist. Mit der Reform wird die Ausbildung von Psychotherapeut/innen grundlegend umgestellt. So wird es künftig nötig sein, ein Studium mit psychotherapeutischer Ausrichtung zu absolvieren, um später als Psychotherapeut/in zu arbeiten. Die bisherige postgraduale psychotherapeutische Ausbildung wird in eine verfahrensspezifische Weiterbildung zum/r Fachpsychotherapeut/in umgewandelt.

Was bedeutet das alles für aktuelle und künftige Studierende? Welche Änderungen wird es im Studiengangsmodell der PHB geben? Auf dieser Seite haben wir wichtige Fragen und Antworten zur Reform (Stand: Mai 2021) für Sie zusammengestellt.

Darüber hinaus können sich Studieninteressierte mit Fragen zur Psychotherapeutengesetzreform gern auch unter studienberatung@phb.de an unsere Studienberaterin Anna-Maria de Veer wenden.

Durch die Reform des Psychotherapeutengesetzes wird seit dem 1. September 2020 die Ausbildung von Psychotherapeut/innen grundlegend umgestellt. Wer künftig eine Tätigkeit als Psychotherapeut/in im Rahmen der gesetzlichen Krankenversorgung anstrebt,  muss nach dem neuen Ausbildungsmodell zunächst ein psychotherapeutisch ausgerichtetes Studium absolvieren und im Anschluss an die Approbationsprüfung eine verfahrensspezifische Weiterbildung durchlaufen. Anstelle der bisherigen Berufsbezeichnungen („Psychologische/r Psychotherapeut/in“ sowie „Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut/in“) wird die einheitliche Berufsbezeichnung „Psychotherapeut/in“ eingeführt werden.

Studierende, die eine psychotherapeutische Tätigkeit anstreben, haben nach dem neuen System im Bachelorstudium noch die Möglichkeit, einen polyvalenten Studiengang zu wählen, der die Option für unterschiedliche Schwerpunktsetzungen offen lässt. Ein solcher polyvalenter Bachelorstudiengang wird seit dem Wintersemester 2020/21 auch an der PHB angeboten. Studierende müssen sich jedoch auch im Rahmen dieses polyvalenten Studiengangs für einen klinischen Profilbereich entscheiden, wenn sie sich eine psychotherapeutische Ausbildung offen halten wollen.

Im Masterstudium muss dann eine definitivere Entscheidung für eine psychotherapeutische Ausrichtung oder eine andere psychologische Schwerpunktsetzung (z.B. Arbeits- und Gesundheitspsychologie) getroffen werden. Die gesetzlichen Vorgaben für ein Masterstudium, das den Zugang zur Approbationsprüfung ermöglicht, sind so stark auf den klinischen Kontext ausgerichtet, dass hier im Unterschied zum Bachelorstudium keine Polyvalenz mehr möglich ist. An der PHB haben Studierende entsprechend ab dem Wintersemester 2021/22 die Wahl zwischen dem M.Sc. Psychologie: Klinische Psychologie und Psychotherapie, der auf die reformierte Approbationsprüfung vorbereitet, und einem polyvalenten M.Sc. Psychologie, der verschiedene Schwerpunktsetzungen ermöglicht und zudem auch für die Approbationsausbildungen im bisherigen System qualifiziert.

Die Approbationsprüfung wird im reformierten Ausbildungsmodell im Anschluss an das erfolgreich absolvierte Masterstudium erfolgen. Mit der Approbation wird auch die Berufsbezeichnung „Psychotherapeut/in“ erworben.

Wer als niedergelassene/r Psychotherapeut/in im Rahmen der gesetzlichen Krankenversorgung arbeiten will, muss im Anschluss an die Approbation eine weiterführende verfahrensspezifische Qualifizierung absolvieren. Die bisherigen psychotherapeutischen Ausbildungen werden dabei künftig in fünfjährige Weiterbildungen umgewandelt werden. Das neue Gesetz sieht dabei eine geregelte Vergütung der künftigen PiWs (Psychotherapeut/innen in Weiterbildung) während der Praxistätigkeiten vor. Als Nachteilsausgleich wird dies auch für aktuell in Ausbildung befindliche Psychotherapeut/innen (PiAs) angewendet werden.

Genaue Regelungen zu den verfahrensspezifischen Weiterbildungen durch die Psychotherapeutenkammern stehen jedoch noch aus. Auf dem Psychotherapeutentag am 23./24. April 2021 wurde durch die Bundespsychotherapeutenkammer die Musterweiterbildungsordnung beschlossen – landesspezifische Weiterbildungsordnungen werden voraussichtlich bis 2022 sukzessive folgen.

Für alle aktuell Studierenden und PiAs gilt, dass sie ihr Studium bzw. ihre begonnene Ausbildung beginnend mit dem 1. September 2020 innerhalb einer zwölfjährigen Übergangsphase auch nach dem alten System beenden können. Die so erworbenen Abschlüsse sind gleichwertig zu denen des neuen Ausbildungssystems.

Wer künftig nach dem neuen System eine berufliche Tätigkeit als Psychotherapeut/in anstrebt, muss folgende Ausbildungsschritte absolvieren:

  • Ein dreijähriges Bachelorstudium in einem polyvalenten Studiengang mit Wahl eines klinischen Schwerpunkts oder in einem Studiengang mit rein psychotherapeutischer Ausrichtung
  • Ein zweijähriges Masterstudium mit psychotherapeutischer Ausrichtung
  • Die Approbationsprüfung in Anschluss an das Masterstudium
  • Eine voraussichtlich fünfjährige verfahrensspezifische Weiterbildung zum/r Fachpsychotherapeut/in

Alle Studierenden, die an der PHB ein Bachelor- oder Masterstudium in Psychologie begonnen haben, können dieses Studium nach dem alten Muster abschließen.

Seit dem Wintersemester 2020/21 ist das Bachelorstudium an der PHB außerdem so ausgerichtet, dass es den Vorgaben eines polyvalenten Bachelorstudiengangs nach dem neuen Psychotherapiegesetz entspricht, gleichzeitig aber auch für andere Vertiefungen im folgenden Masterstudium offenbleibt.

Im Masterstudium haben Studierende an der PHB im Wintersemester 2021/22 die Möglichkeit, den bewährten M.Sc. Psychologie zu studieren, der mehrere Schwerpunktoptionen eröffnet und dabei unabhängig von der Schwerpunktwahl für eine Approbationsausbildung im bisherigen Ausbildungssystem qualifiziert. Dies gilt auch für Studierende, deren Bachelorstudium der Psychologie keine klinischen Inhalte beinhaltet hat.

Darüber hinaus bietet die PHB ab dem Wintersemester 2021/22 als eine der ersten Universitäten, einen Studiengang mit psychotherapeutischer Ausrichtung an (M.Sc. Psychologie: Klinische Psychologie und Psychotherapie), der den Vorgaben des reformierten Psychotherapeutengesetzes entspricht. Dieser Studiengang richtet sich an Studierende, die eine berufliche Tätigkeit als Psychotherapeut/in anstreben und das Masterstudium vor allem für die Vorbereitung auf diesen Berufswunsch nutzen wollen. Mit dem Abschluss haben Absolvent/innen die Möglichkeit, sowohl eine Approbationsausbildung im bisherigen Ausbildungssystem zu absolvieren, als auch den Weg über die reformiere Approbationsprüfung und eine anschließende fachspezifische Weiterbildung zu gehen. Zulassungsvoraussetzung für diesen Masterstudiengang ist ein Bachelorabschluss, der den Vorgaben des Psychotherapeutengesetzes entspricht und einen Profilbereich Psychotherapie umfasst.

Ab dem Wintersemester 2022/23 ist darüber hinaus ein weiterer Masterstudiengang mit einer Schwerpunktsetzung auf Gesundheits- und Arbeitspsychologie geplant.

Entsprechend den Vorgaben der reformierten Approbationsordnung müssen sich Studierende schon im Bachelorstudium entscheiden, ob Sie sich den Weg zur Ausbildung als Psychotherapeut/in offen lassen wollen. In diesem Fall müssen sie im Bachelorstudium entsprechende Schwerpunkte („Profilbereich Psychotherapie“) wählen.

Vor Beginn des Masterstudiums muss dann auch auf Ebene der Studiengangswahl eine entsprechende Entscheidung getroffen werden. Für eine spätere psychotherapeutische Weiterbildung müssen Studierende ein Masterstudium mit entsprechender Ausrichtung belegen. Da auch dieses Studium ein Psychologiestudium darstellen wird, stehen Absolventen und Absolventinnen mit dem entsprechenden Abschluss natürlich auch Berufswege in anderen psychologischen Anwendungsfeldern offen. Die PHB bietet ab dem Wintersemester 2021/22 entsprechend einen M.Sc. Psychologie: Klinische Psychologie und Psychotherapie an.

Das bisherige Modell einer psychotherapeutischen Ausbildung im Anschluss an ein psychologisches, pädagogisches oder sozialpädagogisches Studium wird strukturell umgestellt. Im neuen System erfolgt die Approbationsprüfung in Anschluss an ein erfolgreich absolviertes Bachelor- und Masterstudium mit psychotherapeutischer bzw. klinischer Ausrichtung. Absolventen und Absolventinnen können damit künftig schon nach dem Masterstudium die Berufsbezeichnung „Psychotherapeutin“ bzw. „Psychotherapeut“ führen.

Für eine Kassenzulassung wird allerdings auch künftig eine Weiterqualifizierung in einem der vier anerkannten Psychotherapieverfahren nötig sein. Diese werden jedoch nicht mehr den Charakter von Ausbildungen haben, sondern als Weiterbildungen analog zu den medizinischen Facharztweiterbildungen angeboten werden. Genaue Regelungen und Vorschriften für die künftigen Weiterbildungen fehlen allerdings noch. Im Februar 2020 wurde die grundlegende Approbationsordnung durch das Gesundheitsministerium verabschiedet – die Verabschiedung der Musterweiterbildungsordnung durch die Bundespsychotherapeutenkammer folgte im April 2021. Länderspezifische Weiterbildungsordnungen stehen jedoch aktuell noch aus.

Studierende und PiAs, die im bisherigen System ihr Studium bzw. ihre Ausbildung begonnen haben, haben ab dem 1. September 2020 weitere zwölf Jahre Zeit, ihre Therapieausbildung nach den bisherigen Prinzipien und Regelungen zu absolvieren. Für Studierende, die diesen Weg verfolgen möchten, ändert sich nur insofern etwas, als der Gesetzgeber auch für sie als Nachteilsausgleich eine Änderung in der Vergütung während der stationären Praxistätigkeit (PT I) vorgesehen hat. Hier ist künftig eine Vergütung in Höhe von mindestens 1.000 Euro monatlich vorgesehen.

Für Studierende, die sich vor dem Wintersemester 2020/21 schon im Bachelorstudium befunden haben, wird es Möglichkeiten für einen Quereinstieg in das neue Ausbildungssystem geben – es wird aber auch möglich sein, im Rahmen der zwölfjährigen Übergangsfrist sowohl das Masterstudium als auch die Therapieausbildung nach dem aktuellen Modell zu absolvieren.

Studierende, die ihr Masterstudium schon begonnen haben und den Beruf des Psychotherapeuten anstreben, haben ab dem 1. September 2020 ebenfalls weitere zwölf Jahre Zeit, die Approbationsausbildung nach dem bisherigen Ausbildungssystem zu absolvieren. Ein Wechsel in das neue Ausbildungssystem wird hier nur in wenigen Fällen empfehlenswert sein.

Studierende, die eine berufliche Tätigkeit in einem der anderen Anwendungsfelder der Psychologie – wie z.B. Gesundheits- oder Arbeitspsychologie – anstreben, werden künftig vermutlich noch stärker als bisher die Möglichkeit haben, sich im Masterstudium entsprechend ihren Wünschen und Interessen zu spezialisieren. An der PHB wird es perspektivisch auch die Möglichkeit geben, ein Masterstudium der Psychologie mit gesundheits- und arbeitspsychologischem Schwerpunkt zu belegen.

Sobald es genaue Vorgaben für die künftigen verfahrensspezifischen Weiterbildungen geben wird, wird die PHB diese auch anbieten. Genaue Regelungen zu den Weiterbildungen durch die Psychotherapeutenkammern stehen jedoch noch aus.

Die Musterweiterbildungsordnung wurde Ende April 2021 durch die Bundespsychotherapeutenkammer beschlossen – landesspezifische Weiterbildungsordnungen stehen allerdings noch aus.