Approbationsausbildung Systemische Therapie

Was ist Systemische Therapie?


„Patients have families“ (Henry B. Richardson)

Die systemische Therapie hat sich historisch aus der Familientherapie heraus entwickelt und zeichnet sich dadurch aus, den sozialen Kontext psychischer Störungen in den Fokus zu rücken. Entsprechend bezieht sie wichtige Bezugspersonen der Patient/innen in die Therapie mit ein. Das kann entweder direkt – im Rahmen von Mehrpersonensettings – oder indirekt – mithilfe spezieller Fragetechniken und anderer Tools (z.B. Systembrett) – geschehen. Zentral ist die veränderte Sichtweise, die mit diesem Vorgehen angeregt wird: Anstatt den Ursprung psychischer Probleme in Personen zu suchen, werden Beziehungs- und Interaktionsmuster zwischen Personen und damit soziale Normen, Regeln, Relationen und Strukturen in den Blick genommen. Die Symptome Einzelner, die in der systemischen Therapie auch als „Symptomträger/innen“ oder „Indexpatient/innen“ bezeichnet werden, können sich so als kontraproduktive, in ihrem spezifischen Kontext aber durchaus sinnvolle Lösungsversuche entpuppen.

„Auf A muss nicht B folgen.“ (Paul Watzlawick)

Lineare Ursache-Wirkungs-Erklärungen werden in der systemischen Therapie durch zirkuläre ersetzt und das Verhalten jedes Systemmitglieds gleichzeitig als Ursache und Wirkung des Verhaltens anderer Mitglieder betrachtet. Darüber hinaus werden die diversen Umwelten eines Systems, also nicht nur nahe Beziehungen, sondern auch institutionelle, kulturelle und andere Rahmenbedingungen berücksichtigt. Einfache Erklärungen und Schuldzuschreibungen werden dadurch ebenso obsolet wie die Idee direkter Beeinflussung durch die Behandler/innen. Auch wenn die systemische Therapie eine Fülle kreativer Interventionen bietet, versteht sie diese daher nicht als kausale Instruktionen, sondern als Einladung und Anregung zur Selbstveränderung. Die den therapeutischen Prozess bestimmenden Autoritäten bleiben damit immer die Patient/innen, die in der systemischen Therapie auch als „Klient/innen“ bezeichnet und im Sinne bewusster Kundenorientierung zu fortwährender Rückmeldung eingeladen werden.

„Alles, was gesagt wird, wird von einem Beobachter gesagt.“ (Humberto Maturana)

Zur Beschreibung und Erklärung psychosozialer Muster und Strukturen bietet die systemische Therapie eine Fülle von Modellen an. Ausgehend von einer konstruktivistischen Erkenntnistheorie betont sie dabei immer deren modellhaften und damit hypothetischen Charakter. Die Frage, ob eine Beschreibung wahr ist, tritt so zurück hinter der Frage nach ihren Auswirkungen. Ziel von Therapie ist es dabei, möglichst nützliche Wirklichkeitsbeschreibungen zu (er)finden und eher hinderliche, die sich verfestigt haben, wieder zu „verflüssigen“. In der Praxis zeichnet sich die systemische Therapie daher auch und vor allem durch eine konsequente Ressourcen- und Lösungsorientierung aus. Anstatt den Fokus auf vermeintliche Defizite zu legen, wird bewusst nach den Stärken und Potentialen der Patient/innen gesucht und die Perspektive der Pathogenese (Krankheitsentstehung) um die der Salutogenese (Gesundheitsentstehung) ergänzt.

 

Wie sieht die Ausbildung in Systemischer Therapie an der PHB aus?

Theorie-Technik-Haltung

Die Approbationsausbildung in Systemischer Therapie hat zum Ziel, Absolventinnen und Absolventen zur systemisch therapeutischen Behandlung psychischer und psychosomatischer Störungen sowie damit verbundener Beziehungsprobleme zu befähigen. Neben der Vermittlung der theoretischen Grundlagen sowie der daraus abgeleiteten, evidenzbasierten Vorgehensweisen, Techniken und Methoden zählt dazu aus unserer Sicht die Ausbildung (und Weiterentwicklung) einer systemisch(er)en Haltung.

Systemische Therapie – systemisch unterrichtet

Unser Anspruch ist es, dass sich diese Haltung auch in der Form der Lehre widerspiegelt. Die Ausbildung, die sich in theoretische, praktische und Selbsterfahrungs-Teile untergliedert, wird daher durch eine kontinuierliche Prozessreflexion begleitet, deren Ziel es ist, die verschiedenen Ausbildungsteile „systemisch“ miteinander zu vernetzen, offene Fragen und Anliegen immer wieder auf`s Neue zu klären, Rückmeldungen zu utilisieren und gemachte Lernerfahrungen zu würdigen. Zentrale Prinzipien systemischen Arbeitens – wie Vernetzung, Kunden- und Anliegenorientierung, Transparenz und Ressourcenorientierung – sollen so nicht nur für die Therapie, sondern auch für die Ausbildung nutzbar gemacht werden.

Wissenschaftliche Fundierung

Da die PHB eine Hochschule auf universitärem Niveau ist, bietet sie einen engen Kontakt zu Forschung und Wissenschaft. Ausbildungsteilnehmer/innen werden zur Einnahme einer wissenschaftlichen Perspektive und zur Beteiligung an Forschungsprojekten ermutigt. Die Ergänzung der systemischen Approbationsausbildung durch einen Masterstudiengang (analog zur VT- und TP-Ausbildung) ist angedacht.

Multiperspektivität

An der PHB wird besonderer Wert auf verfahrensübergreifendes Wissen und methodenübergreifende Kompetenzen gelegt. Die Ausbildung zur Systemischen Therapie ist entsprechend im Grundausbildungsanteil methodenübergreifend und im Vertiefungsanteil methodenspezifisch angelegt. Alle wissenschaftlich anerkannten Psychotherapieverfahren werden (auch anhand von Fallbeispielen) von jeweiligen Expertinnen und Experten vermittelt.