Prof. Dr. Siegfried Preiser, Dipl.-Psych.

Rektor der Psychologischen Hochschule Berlin und Professur für Lebenslanges Lernen

 

„Zurzeit werde ich immer wieder gefragt, ob stimmen kann, was eine amerikanische Studie herausgefunden hat, dass nämlich ein chaotischer Arbeitsplatz zu kreativen Einfällen stimuliert. Da kann ich einerseits stolz auf meinen eigenen Schreibtisch blicken, andererseits aber auch nach einer differenzierten Antwort und Erklärung suchen.

Manche kreativen Erfindungen und Entdeckungen sind das grandiose Ergebnis intensiver Tüftelei. Thomas A. Edison soll 8000 Fehlversuche gemacht haben, bis seine erste Glühbirne leuchtete. Andere Fortschritte der Menschheit wie die Entdeckung des Penizillins sind ein Zufallsresultat, dessen Bedeutung der Forscher spontan erkannt und genutzt hat. Wie das Zusammenspiel von systematischer Anstrengung, Zufall, persönlicher kreativer Kompetenz und anregenden oder blockierenden Umgebungsbedingungen zu kreativen Einfällen führt, das hat mich seit meiner Studienzeit bewegt und schließlich zu einem meiner wissenschaftlichen Arbeitsgebiete motiviert, das mich zeitlebens begleitet hat. Schwerpunkt meiner Forschung zu Kreativität war die Erfassung und Analyse von kreativitätsfördernden Bedingungen: Anregung und Aktivierung, zielgerichtete Motivierung, eine offene und vertrauensvolle Atmosphäre und die Förderung von unabhängigem Denken erwiesen sich als kreativitätsfreundliche Einflussfaktoren der Arbeits- und Lernumgebung, und zwar in Kindergärten und Schulen ebenso wie in Behörden und Wirtschaftsunternehmen. Aber stimulierende Anregungen muss man sich nicht unbedingt von einem vermüllten Schreibtisch oder Computer-Desktop holen, dazu gibt es viele andere Möglichkeiten.

Das Thema Kreativität hat mich in Kindergärten, Schulen, Kliniken, Behörden und Betriebe geführt, aber auch nach Senegal, Ägypten und China. Natürlich macht es mich stolz, dass eines meiner Kreativitätsbücher in dritter Auflage erschienen ist und ins Niederländische und Chinesische übersetzt wurde – und dort mit einem Schlag eine höhere Auflage erreichte als alle meine deutschsprachigen Publikationen zusammen. Meine Beschäftigung mit Kreativität hat mir aber auch Türen zu etlichen anderen psychologischen Themen geöffnet. Das Interesse an Politischer Psychologie, politischer Sozialisation und an Fragen der Gerechtigkeit und Gewaltprävention wuchs mit dem Älterwerden meiner Kinder. Meine heterogenen Interessen haben mich gehindert, zum spezialisierten Experten in einer bestimmten Domäne zu werden. Aber so bin ich auch der Gefahr des Fachidiotentums entkommen. Schließlich kommt meine pädagogische Motivation bei den Themen der Kreativitätsförderung, der politischen Bildung, der Friedenserziehung, des Führungskräftetrainings und generell der Fort- und Weiterbildung und des lebenslangen Lernens zum Tragen. Dies hat mich letztlich für meine gegenwärtige Position als Rektor an der Psychologischen Hochschule Berlin vorbereitet.

Fasziniert hat mich die Möglichkeit an der PHB, einerseits eine Hochschule mit hoher Autonomie zu leiten und andererseits über den psychologischen Berufsverband Kontakte zu allen Anwendungsfeldern der Psychologie haben zu können. Für mich war die Verbindung von wissenschaftlicher Fundierung, praktischer Umsetzung und deren Evaluation immer wichtig. Ich wünsche mir, dass unsere Studierenden aus dem gleichen Interesse heraus zu uns kommen und dass sie dann noch mehr von dieser Motivation und den dazu gehörenden Kompetenzen in ihr Berufsleben mitnehmen.

Zu meinen Aufgaben als Rektor der PHB gehören die kooperative Gestaltung von Studiengängen und Studienordnungen, Berufungs- und Akkreditierungsverfahren und Kontakte zu Politik und Verwaltung, zu Wissenschafts- und Praxisorganisationen. Vieles muss einfach erledigt werden, auch das Bürokratische und Formale. Aber alles erweitert meinen Horizont – und das hält vital und macht hoffentlich weise. Ich würde gerne neben und nach der institutionellen Aufbauarbeit weiterhin wissenschaftlich arbeiten, über die Bilanzierung und den gesellschaftlichen Transfer bisheriger Erkenntnisse hinaus. Es gibt noch so viel Interessantes zu erforschen. Aber zunächst muss ich mal wieder meinen Schreibtisch aufräumen.“

 

 

Kontakt:

rektor@psychologische-hochschule.de
Tel. 030/ 20 91 66 – 210

Raum 3.14

 

 

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