Studium und Ausbildung
Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie (TP)

An der Psychologischen Hochschule Berlin ist die Psychotherapieausbildung in Tiefenpsychologisch fundierter Psychotherapie (TP) im Rahmen eines speziellen Modells mit dem weiterführenden Masterstudiengang M.Sc. Psychotherapie kombiniert. Dieses Modell ist besonders für angehende Psychotherapeuten geeignet, die eine Ausbildung auf dem aktuellen Wissens- und Erkenntnisstand anstreben und damit verbunden ihre eigenen wissenschaftlichen Interessen weiter verfolgen wollen.

 

Die Theorieseminare finden vorwiegend in Blockphasen an den Wochenenden (inklusive Freitag) statt – insgesamt 10-15 Wochenenden pro Studienjahr. Jedes Jahr werden bis zu 18 Teilnehmer aufgenommen. Studium und Ausbildung gliedern sich in ca. 700 Theoriestunden, 1.800 Stunden Praktische Tätigkeit und ca. 1.000 Stunden Praktische Ausbildung (Behandlungen, Supervision, Selbsterfahrung) sowie die Masterarbeit.

 

 

Warum eine Ausbildung in Tiefenpsychologisch fundierter Psychotherapie?

 

Die Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie (TP) ist neben der Psychoanalyse und der Verhaltenstherapie eines der drei Richtlinienverfahren, die in Deutschland zur Abrechnung mit den Krankenkassen anerkannt sind. Die Wirksamkeit psychodynamischer Verfahren ist empirisch eindeutig durch eine Vielzahl von Studien belegt, auch wenn sie in der heutigen Hochschullandschaft fast völlig von der Verhaltenstherapie verdrängt wurden. Dabei ist die Bedeutung der TP für das Gesundheitssystem groß: Etwa die Hälfte aller ambulant durchgeführten Psychotherapien finden in den psychodynamischen Verfahren (TP und Psychoanalyse) statt. Davon wiederum mehr als 80 % in Tiefenpsychologisch fundierter Psychotherapie.

 

Im Unterschied zur Verhaltenstherapie geht es den psychodynamischen Verfahren weniger darum, das Verhalten der Patienten direkt zu beeinflussen. Sie zielen zunächst vielmehr darauf ab, zugrunde liegende Ursachen psychischer Störungen zu verstehen. Durch die Bewusstmachung verdrängter psychischer Inhalte, die ihren Ursprung häufig in der Kindheit und Jugend haben und das Erleben und Verhalten im Hier und Jetzt wesentlich bestimmen, wird eine Besserung der Symptomatik erreicht. Nicht nur für Patienten sondern auch für psychodynamische Therapeuten ist das Verständnis für eigene unbewusste seelische Vorgänge zur Erklärung menschlichen Verhaltens und Erlebens wichtig. Es ist einerseits therapeutisches Arbeitsmittel und andererseits unverzichtbar für die Entwicklung einer Therapeutenpersönlichkeit. Die TP-Ausbildung an der PHB enthält daher mit 200 Stunden einen großen Selbsterfahrungsanteil. Davon finden 140 Stunden in Form von Einzelselbsterfahrung bzw. als Lehrtherapie statt. In diesem hohen Anteil von Lehrtherapiestunden liegt im Wesentlichen auch der Kostenunterschied zwischen einer verhaltenstherapeutischen und einer psychodynamischen Ausbildung begründet.

 

 

Kombination von Studium und Ausbildung an der PHB

 

Welchen Gewinn hat ein weiterführender Master in Psychotherapie – welcher Mehraufwand besteht im Vergleich zur reinen Ausbildung?

 

Die Kombination aus Studium und Ausbildung erscheint gerade für tiefenpsychologisch fundiert arbeitende Psychotherapeuten überaus wichtig und gewinnbringend: Die TP-Ausbildung klar auf ihr theoretisches und wissenschaftliches Fundament zu beziehen, stärkt das Selbstbewusstsein und die Rollensicherheit psychodynamischer Psychotherapeuten in der therapeutischen Arbeit und sorgt für eine feste Verankerung des Verfahrens im Wissenschaftssystem. Natürlich kann auch eine zielgerichtet wissenschaftliche Karriere hier ihren Anfang nehmen. Die PHB bietet ihren Studierenden an, bestehende Forschungsaktivitäten der Professorinnen aktiv mitzugestalten und in ihrem Masterprojekt eigenen Forschungsinteressen, auch angebunden an die Praktische Tätigkeit in der Ausbildung, nachzugehen. Durch Kooperationen mit anderen Universitäten kann an der PHB auch eine Promotion realisiert werden. Letztlich sind nur wissenschaftlich tätige Tiefenpsychologen in der Lage, die TP zurück an die Hochschulen zu bringen. und so zu einer ausgewogenen Darstellung der Psychotherapieverfahren für künftige Generationen von Studierenden beizutragen.

 

Zu Studium und Ausbildung an der PHB gehört auch die Vermittlung von verfahrensübergreifenden Kompetenzen. Studierende sollen in die Lage versetzt werden, Theorie und Methode anderer wissenschaftlich anerkannter Verfahren wie Verhaltenstherapie, Systemische Therapie und Gesprächspsychotherapie zu verstehen.

 

Der eigentliche Mehraufwand dieses Modells besteht im Verfassen einer Masterarbeit und einer Modulprüfung pro Semester. Die Modulprüfungen bereiten ideal auf die schriftliche Approbationsprüfung vor. Die Dauer von Studium und Ausbildung ist deshalb auf insgesamt 7 Semester ausgelegt. Zum Vergleich: die durchschnittliche Dauer einer dreijährigen Vollzeitausbildung beträgt bundesweit 4,5 Jahre. Wobei diese Dauer in der Regel durch die noch nicht abgeschlossenen Psychotherapien bedingt ist. Es ist daher sehr gut möglich, die Kombination von Ausbildung und Studium an der PHB in der gleichen Zeit abzuschließen wie eine reine Ausbildung. Betrachtet man Studium, Ausbildung und Ambulanzeinnahmen insgesamt, sind die Kosten für Studium und Ausbildung an der PHB nicht höher als bei einer reinen Ausbildung.