FPFL: Internationales Symposium zur Familienrechtspsychologie an der PHB gegründet

Die Familienrechtspsychologie ist eine Teildisziplin der Rechtspsychologie, die an staatlichen Universitäten in Deutschland bisher nicht mit eigenen Lehrstühlen vertreten ist. Gleichwohl wird von juristischen und psychologischen Verbänden seit Jahren darauf hingewiesen, dass eine Standardisierung familienrechtlicher Gutachten dringend notwendig ist. Als deutschlandweit erste Universität hat die PHB vor diesem Hintergrund 2018 eine Juniorprofessur für Familienrechtspsychologie eingerichtet, die von Prof. Dr. Jelena Zumbach geführt wird. Um den Austausch von familienrechtspsychologischen Forschenden und Praktiker*innen auf internationaler Ebene zu fördern, hat Prof. Zumbach nun ein neues Symposium ins Leben gerufen: das International Symposium Forensic Psychology in Family Law (FPFL). Das Symposium wird erstmals am 28. Oktober mit einem Gastvortrag von Dr. Taina Laajasalo von der Universität Helsinki stattfinden. Wir haben Prof. Jelena Zumbach zu den Hintergründen und Zielen des Symposiums befragt:

Prof. Dr. Jelena Zumbach

Liebe Frau Zumbach, Sie haben vor kurzem das International Symposium Forensic Psychology in Family Law (FPFL) initiiert. Wie sind Sie auf die Idee dazu gekommen?

Die Idee entstand nach einem Keynote-Vortrag von Prof. Dr. Michael Saini (University of Toronto, Canada), den er im Rahmen der PHB-Vortragsreihe „Vielfalt der Rechtspsychologie“ im Juni 2020 gehalten hat. In diesem Vortrag hat Prof. Saini unter anderem thematisiert, wie sich Online-Methoden in die psychologische Diagnostik von Gerichtsgutachtern in familienrechtspsychologischen Fragen integrieren lassen – ein Thema, was im Rahmen der Coronakrise viele von uns Praktikern und Wissenschaftlern beschäftigt. Mehr als 150 Personen aus verschiedenen europäischen Ländern, den USA und Kanada haben den Vortrag besucht. Es ist im Anschluss an den Vortrag eine sehr interessante Diskussion unter den Teilnehmenden darüber entstanden, wie aktuelle und immer wiederkehrende Herausforderungen im Begutachtungskontext in verschiedenen Ländern angegangen werden und welche Rolle Forschung hierbei spielen kann. Ein Forum für einen solchen internationalen Austausch mit wissenschaftlichem Hintergrund gab es bislang nicht.

 

Was sind vor diesem Hintergrund die Ziele, die Sie mit dem Symposium verfolgen?

Ich habe das FPFL initiiert, um Praktiker und Wissenschaftler auf dem Feld der Familienrechtspsychologie aus verschiedenen Ländern zu vernetzen, praktische Erfahrungen auszutauschen und wissenschaftliche Erkenntnisfortschritte aus einer internationalen Perspektive zu diskutieren. Zu jeder Session wird eine international bekannte Referentin oder Referent zu einem bestimmten Thema einen Forschungsüberblick geben. Alle unsere Keynote Speaker kombinieren Forschungserfahrung mit einem praktischen Hintergrund. Im Anschluss an die Vorträge bieten wir viel Zeit für Diskussion unter den Teilnehmenden. Das Teilen von Praxiserfahrungen zu der Frage, wie in verschiedenen Ländern mit Herausforderungen umgegangen wird, ist ausdrücklich erwünscht. So können wir uns nicht nur untereinander kennenlernen und unser Netzwerk um viele Kontakte erweitern, sondern auch voneinander lernen, etablierte Strukturen in unserem jeweiligen Land überdenken und neue Ideen entwickeln.

 

Für die erste Veranstaltung am 28. Oktober haben Sie Dr. Taina Laajasalo aus Helsinki als Gastrednerin eingeladen. Können Sie etwas zum Inhalt der Veranstaltung erzählen?

Dr. Taina Laajasalo ist Adjunct Professor an der University of Helsinki in Finnland. Aktuell arbeitet sie als Spezialistin am Finnish Institue of Health and Welfare mit dem Ziel, kinderfreundliche, evidenzbasierte Justizverfahren sowie Interventionen und Hilfsangebote für Kinder, die Gewalt erlebt haben, zu entwickeln. Wir kennen uns durch Aktivitäten der European Association of Psychology and Law und es besteht bereits seit einigen Jahren eine Zusammenarbeit mit der Arbeitsgruppe Rechtspsychologie an der PHB.

Im Rahmen unseres Symposiums wird Dr. Taina Laajasalo zum Thema aufkommender Missbrauchsvorwürfe von Kindern in sorge- und umgangsrechtlichen Verfahren referieren. In Fällen, in denen es beispielsweise um den Lebensort des Kindes oder den Umgang mit einem getrenntlebenden Elternteil geht, kommen nicht selten Vorwürfe auf, ein Kind sei durch einen Elternteil missbraucht oder misshandelt worden. Diese Fälle stellen eine besondere Herausforderung für Gutachterinnen und Gutachter dar. Dr. Taina Laajasalo wird unter anderem darüber sprechen, wie diagnostisch vorgegangen werden kann, um substantielle von nicht-substantiellen Vorwürfen zu unterscheiden. Sie wird einen Überblick über die einschlägige Forschung auf dem Feld geben, einschließlich Studien zu Substantiierungsquoten, Entfremdung und Befragung von Kindern. Sie wird erläutern, wie forschungsbasierte Praktiken für den Umgang mit diesen hochkomplexen und herausfordernden Fällen aufgebaut werden können und welche Erfahrungen sie hiermit in Finnland gesammelt hat.

Zur Veranstaltung

Dr. Taina Laajasalo
(University of Helsinki,  Finnish Institue of Health and Welfare)

„Child Abuse Allegations in Custody Evaluations“

28. Oktober 2020 | 18 Uhr (UCT + 1) via ZoomMehr Informationen »