Honorarkürzungen in der Psychotherapie: „Wer Versorgung sichern will, muss die Menschen stärken, die sie leisten.“ | Gemeinsamer offener Brief von PHB und IPU Berlin

In einem gemeinsamen offenen Brief warnen die Psychologische Hochschule Berlin (PHB) und die International Psychoanalytic University (IPU) Berlin anlässlich der angekündigten Honorarkürzungen für Psychotherapeut:innen vor einer weiteren Verschärfung der Versorgungslage in Deutschland. Die Kürzungen treffen auf ein System, dessen zentrale Reformbausteine bis heute unvollständig umgesetzt sind – insbesondere, weil die Finanzierung der Weiterbildung weiterhin ungeklärt ist. Diese Entwicklung gefährdet langfristig die Qualität und Verfügbarkeit psychotherapeutischer Versorgung.

Mit der angekündigten Kürzung der Psychotherapeut:innen-Honorare um 4,5 % wird eine Entwicklung weiter verschärft, die sich seit Jahren abzeichnet: die schleichende Erosion der psychotherapeutischen Gesundheitsversorgung in Deutschland. Diese Entscheidung ist kein isolierter Eingriff – sie ist ein Signal. Und dieses Signal ist fatal.

 

Reform ohne Finanzierung

Unsere Stellungnahme schreiben wir aus der Mitte der akademischen Praxis, in der die Psychotherapeut:innen von morgen ausgebildet werden. Als private Universitäten mit psychologischen Studiengängen und einem Fokus auf die klinisch-psychotherapeutische Ausbildung beobachten wir die stattfindende Entwicklung seit Jahren.

 

Seit der Gesetzesnovellierung im Jahr 2019 ist die Psychotherapieausbildung in das universitäre Studium integriert. Während wir als Universitäten mit erheblichem Aufwand neue Psychotherapiestudiengänge geschaffen und die gesetzlichen Anforderungen umgesetzt haben, verharrt die Politik in einer gefährlichen Untätigkeit. Die Finanzierung der an das Approbationsstudium anschließenden Weiterbildung ist bis heute, auch im sechsten Jahr nach der Gesetzesnovellierung, ungeklärt.

 

Wir entlassen hochqualifizierte Absolvent:innen in ein System, das keine tragfähigen finanziellen Strukturen für ihre gesetzlich vorgeschriebene Weiterbildungszeit bietet. Deshalb sind entsprechende Stellen aktuell nicht finanzierbar.

 

Stetig schlechter werdende Versorgungsstrukturen

An unseren Universitäten erleben wir täglich das Potenzial und die Motivation der nachrückenden Psychotherapeut:innen-Generation. Diese Menschen entscheiden sich bewusst für einen Berufsweg, der dem Gemeinwohl dient. Was wir ihnen derzeit bieten müssen, ist ein Parcours aus Hürden. Sie gehen in Vorleistung, investieren Zeit, Geld und Arbeit in eine berufliche Zukunft, die ungewiss ist, im Ungewissen belassen wird. Wenn jetzt noch Honorare auf das bundesgerichtlich vorgeschriebene Minimum zurückgekürzt werden, welches Signal senden wir an künftige Studierende? Wir vermitteln den für die psychische Gesundheitsversorgung entscheidenden Mitgliedern der Gesellschaft, dass ihr Einsatz von der Politik und den Krankenkassenverbänden immer öfter relativiert und in Frage gestellt wird.

 

Als Universitäten sind wir nah an allen Betroffenen – den Studierenden als Psychotherapeut:innen der Zukunft, den Lehrenden und Wissenschaftler:innen sowie den Patient:innen in unseren Hochschulambulanzen. Wir sehen den wachsenden Bedarf an psychotherapeutischer Versorgung und den Einsatz derer, die sich dieser Aufgabe beruflich annehmen wollen. Gleichzeitig beobachten wir eine zunehmende Unattraktivität des Berufsfeldes sowie eine wachsende Frustration darüber, dass ihr Einsatz politisch nicht unterstützt wird.

 

Wer Versorgung sichern will, muss die Menschen stärken, die sie leisten.

Stattdessen entsteht der Eindruck, dass der wachsende Versorgungsbedarf auf ein System trifft, das weder den bestehenden Strukturen ausreichend Stabilität bietet noch den Nachwuchs verlässlich integriert und unterstützt. Diese Entwicklung gefährdet langfristig die Qualität und Verfügbarkeit psychotherapeutischer Versorgung in Deutschland.

 

„In einer Zeit, in der die Nachfrage nach Therapieplätzen rapide gewachsen ist und Patientinnen und Patienten monatelang auf Hilfe warten, ist diese Honorarkürzung nicht zu verantworten. Sie macht eine Niederlassung als Psychotherapeut oder Psychotherapeutin unattraktiver, zumal sie diejenigen trifft, die ohnehin schon am unteren Rand der Verdienstskala im vertragsärztlichen System stehen. Es ist ein völlig falsches Signal, bei steigendem Bedarf die Honorare abzusenken, anstatt Prävention und Behandlung zu stärken. So wird an der falschen Stelle gespart.“ – Prof. Dr. Jan-Hendrik Olbertz, Präsident der IPU Berlin

 

„Wir qualifizieren mit großem Engagement eine neue Generation von Psychotherapeut:innen – und müssen sie gleichzeitig in ein System entlassen, das ihnen keine verlässliche Perspektive bietet. Solange die Finanzierung der Weiterbildung ungeklärt bleibt und gleichzeitig die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen weiter verschlechtert werden, entsteht ein fatales strukturelles Ungleichgewicht. Das gefährdet nicht nur die Attraktivität des Berufs, sondern langfristig auch die Versorgung. Wer Versorgung sichern will, muss die Menschen stärken, die sie leisten.“ Prof. Dr. Siegfried Preiser, Rektor der PHB 

Beste allgemeine Studiensituation: PHB erneut Spitzenreiter im CHE-Ranking für Psychologie

Die PHB gehört aus Studierendensicht deutschlandweit zu den besten Universitäten für ein Psychologiestudium. Das zeigt das diesjährige CHE-Ranking für psychologische Bachelorstudiengänge, das heute veröffentlicht wurde. Zusammen mit der Universität Siegen hat die PHB dabei unter den 71 gelisteten Universitäten die höchste Bewertung für die allgemeine Studiensituation erreicht. Auch in anderen Bereichen erzielte die PHB Spitzenwerte: Im Vergleich mit Berliner und Brandenburger Universitäten bietet sie laut Studierenden die beste Unterstützung im Studium und die beste Betreuung durch Lehrende.  

Seit 1998 erstellt das gemeinnützige Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) jährlich Hochschulrankings, die in Kooperation mit der ZEIT veröffentlicht werden. Auf Grundlage von Studierenden- und Professor*innenbefragungen werden Studiengänge und Hochschulen nach bis zu 34 Indikatoren bewertet.

 

Rektor Prof. Dr. Siegfried Preiser sieht in der aktuellen Bewertung eine Bestätigung der jahrelangen Arbeit aller PHB-Angehörigen: „Das hervorragende Ergebnis im CHE-Ranking zeigt, dass unser konsequenter Fokus auf praxisnahe Lehre, individuelle Betreuung und optimale Studienbedingungen von unseren Studierenden wahrgenommen wird.“

 

Kanzler Dr. Günter Koch ergänzt: „Die Spitzenwerte in den Befragungen zeigen uns, dass unsere Angebote bei den Studierenden gut ankommen. Das Ranking ist ein wichtiges Zeichen der Wertschätzung unserer Arbeit und bestärkt uns darin, die PHB als eine der führenden Hochschulen für Psychologie weiterzuentwickeln.“

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Berufsorientierung für Psychologiestudierende und solche, die es werden wollen: be-in Psychologie!

Was kann man mit einem Psychologiestudium alles machen – und wie kann man sich frühzeitig darauf vorbereiten? Zu diesem Thema veranstaltet der Berufsverband deutscher Psychologinnen und Psychologen ab dem 20. März wieder das digitale Berufsinformationsfestival „be-in Psychologie!„. 

 

Während der neun Tage dauernden Veranstaltung werden über 50 psychologische Berufsfelder vorgestellt und mehr als 50 Expert*innen stehen zum Chatten bereit. Neben Live-Webinaren, die mehrmals täglich während der neun Tage stattfinden, gibt es zur Verfügung gestellte abrufbare Clips und ein unterhaltsames Rahmenprogramm. Das be-in eignet sich nicht nur, um Kontakte zu anderen Studierenden, sondern auch um berufliche Kontakte zu knüpfen.


Die PHB verlost noch bis zum 19. März über Instagram Freikarten für die Veranstaltung!

Abschlussgespräch zum Projekt HOPE: Erfolgreiche internationale Kooperation an der PHB

Vor dem Hintergrund des Ukrainekriegs hat die PHB 2022 gemeinsam mit der National Academy of Education Sciences of Ukraine (NAES) das Projekt HOPE ins Leben gerufen. Ziel des internationale Kooperationsprojekts war es ukrainische Schulpsycholog*innen durch webbasierte Trainings und Supervisionen darin auszubilden, Menschen nach traumatisierenden Erlebnissen psychologisch zu helfen. Die PHB brachte dabei ihre fachliche Expertise in Forschung, Lehre und Praxis ein.

 

Zum erfolgreichen Abschluss des Projektes trafen sich nun die Beteiligten des Projekts an der PHB zu einem gemeinsamen Gespräch mit der Hochschulleitung. Im Mittelpunkt des Treffens stand die Präsentation der Ergebnisse der Projektarbeit sowie ein Rückblick auf die erfolgreiche Zusammenarbeit der vergangenen Monate.

 

Präsentation der Projektergebnisse

Im Rahmen des Treffens stellten die Projektbeteiligten die zentralen Ergebnisse der Zusammenarbeit vor. Dabei wurden sowohl die inhaltlichen Erfolge als auch die strukturellen und organisatorischen Erfahrungen reflektiert.

 

Die Evaluation des Projekts HOPE zeigt eine sehr hohe Wirksamkeit: 68,8 % der Teilnehmenden vergaben für die Trainings die Bestnote 10 von 10. 93,5 % berichteten von deutlich verbesserten praktischen Kompetenzen in der psychologischen Unterstützung. Zudem gaben 90,3 % an, ihre Fähigkeiten zur emotionalen Selbstregulation – insbesondere im Umgang mit Belastung, Angst und Erschöpfung – spürbar gestärkt zu haben.

 

Das Projekt HOPE steht beispielhaft für das Selbstverständnis der PHB, gesellschaftliche Verantwortung aktiv zu übernehmen und wissenschaftliche Expertise in konkrete Hilfe umzusetzen.

 

Prof. Dr. Johanna Böttcher, Leiterin des Projektes an der PHB, resümiert: „Den Mut und den Willen, den Dr. Vitali Panok und seine Tochter Iryna Panok in HOPE und weit darüber hinaus gezeigt haben, verbunden mit einer klaren Vision und der nötigen Ausdauer, die letztendlich zum Erfolg des Projekts führten, sind sehr inspirierend. Wir sind dankbar dafür, dass sie von Anfang an in der PHB den richtigen institutionellen Partner gesehen haben. Umso mehr freuen wir uns auf zukünftige Projekte.“

 

Das Abschlussgespräch bot auch Raum für einen gemeinsamen Ausblick: Die gewonnenen Erkenntnisse und Erfahrungen sollen in zukünftige Projekte, Lehrangebote und internationale Kooperationen einfließen, um die nachhaltige Wirkung des Projekts langfristig zu sichern.

Klimaschutz auf dem Dach: PHB nimmt eigene Photovoltaikanlage in Betrieb

Mit der Installation einer Photovoltaikanlage auf dem Dach des Hochschulgebäudes setzt die Psychologische Hochschule Berlin (PHB) ein deutliches Zeichen für Nachhaltigkeit und aktiven Klimaschutz. Insgesamt 84 Solarmodule werden künftig einen großen Teil des Strombedarfs der Hochschule aus regenerativer Energie decken.

 

Nachhaltigkeit ist für die PHB nicht nur ein Forschungsthema, etwa in der psychologischen Auseinandersetzung mit Umweltverhalten und gesellschaftlichem Wandel, sondern auch ein zentraler Leitgedanke im praktischen Hochschulbetrieb. Mit der Investition in moderne Solartechnik reduziert die Hochschule langfristig ihren ökologischen Fußabdruck und leistet einen konkreten Beitrag zur Energiewende.

 

Technische Leistungsdaten und wirtschaftliche Perspektive

Auf dem Dach wurden 84 Photovoltaikmodule mit einer Gesamtleistung von 37,8 kWp installiert. Die Investitionssumme von rund 33.500 Euro ermöglicht es der PHB, künftig etwa ein Drittel ihres jährlichen Strombedarfs selbst zu erzeugen. In den sonnenreichen Sommermonaten kann der Hochschulbetrieb tagsüber zeitweise sogar vollständig durch die eigene Stromproduktion versorgt werden. Die Anlage ist auf eine Betriebsdauer von mindestens 20 Jahren ausgelegt.

„Die Investition in die Photovoltaikanlage ist für uns sowohl ökologisch als auch wirtschaftlich sinnvoll. Sie verbindet langfristige Planungssicherheit mit aktivem Klimaschutz und stärkt die energetische Unabhängigkeit der Hochschule“, betont Hagen Büttner, Verantwortlicher des Projekts für die PHB.

 

Deutliche Reduktion der CO₂-Emissionen

Die neue Photovoltaikanlage reduziert die CO₂-Emissionen der Hochschule jährlich um rund 30 Tonnen. Diese Einsparung entspricht in etwa der Menge an Kohlendioxid, die ein junger Wald mit 2.000 bis 3.000 Bäumen innerhalb eines Jahres binden könnte. Alternativ lässt sich die Wirkung auch im Bereich der Mobilität veranschaulichen: Die eingesparte Emissionsmenge entspricht einer Autofahrleistung von bis zu 200.000 Kilometern – das sind ca. fünf Erdumrundungen.

Photovoltaikanlage auf dem Dach der PHB

Approbationsprüfung: Trainingsvideos zur anwendungsorientierten Parcoursprüfung (aoPP) im Haus der Psychologie entwickelt

Im Haus der Psychologie ist eine Videoreihe zur Vorbereitung auf die Anwendungsorientierte Parcoursprüfung (AoPP) erschienen. Die Videothek wurde als Kooperation der Psychologischen Hochschule Berlin (PHB), des Deutschen Psychologenverlags (DPV) und der Deutschen Psychologen Akademie (DPA) entwickelt. Sie wird künftig in der Lehre an der PHB genutzt werden und wird auch den Mitgliedern des VPP zur Verfügung gestellt. 

 

Die Anwendungsorientierte Parcoursprüfung (AoPP) ist ein Teil der neuen Approbationsprüfung für Psychotherapeut*innen, die im Zuge der Reform des Psychotherapeutengesetzes eingeführt wurde und die nun im Anschluss das psychotherapeutische Masterstudium absolviert wird.

 

In der Parcoursprüfung bearbeiten die Prüfungskandidat*innen realitätsnahe, simulierte Praxissituationen mit Schauspielpersonen. Geprüft werden zentrale Kompetenzbereiche psychotherapeutischen Handelns, darunter Diagnostik, leitlinienorientierte Behandlungsempfehlungen sowie therapeutische Beziehungsgestaltung. Ziel ist es, zu überprüfen, ob Studierende ihr im Studium erworbenes Wissen situationsgerecht anwenden können.

Die Videoreihe greift dieses Prüfungsformat auf und bietet anschauliches, lebendiges Übungsmaterial in Form von Fallvignetten und kommentierten Beispielsituationen. Sie soll Studierende dabei unterstützen, sich ein realistisches Bild von den Anforderungen der aoPP zu machen und das eigene Anwendungswissen gezielt – etwa durch Rollenspiele und gemeinsames Üben – zu vertiefen.

 

Prof. Dr. Frank Jacobi, der seitens der PHB den Dreh der Videos supervidiert hat, betont den besonderen Nutzen des Formats: „Die AoPP ist eine sehr verdichtete Prüfung, in der viel Wissen aus verschiedensten Bereichen des Studiums abgerufen und demonstriert werden muss. Darauf kann man sich besonders gut in Rollenspielen vorbereiten. Unsere Videoreihe, die wir in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Psychologenverlag (DPV) und der Deutschen Psychologen Akademie (DPA) entwickelt haben, ist in diesem Zusammenhang sehr nützlich. Hier finden Studierende viele Anregungen und Tipps zur Parcoursprüfung.“ Die Videoreihe versteht sich damit als praxisnahe Ergänzung zum Studium und als Unterstützung für eine kompetenzorientierte Vorbereitung auf die neue Approbationsprüfung.

Psychologische Berufsbilder: Einblicke in die Arbeits- und Gesundheitspsychologie mit PHB-Alumna Lara Tosun

Welche Tätigkeitsfelder gibt es im Bereich Psychologie? Wie sehen die Aufgaben im Einzelnen aus? In der Reihe „Berufsbild Psychologie“ befragen wir Praxisvertreter* innen zu ihrem Berufsalltag, um so ein genaueres Bild von den vielfältigen Tätigkeitsbereichen zu erhalten. Lara Tosun hat 2022 den Studiengang M.Sc. Psychologie an der PHB abgeschlossen und arbeitet jetzt seit mehreren Jahren bei der Trivention GmbH mit Fokus auf Prävention, Intervention und Rehabilitation. Wir haben mit ihr über ihren Weg, ihre Motivation und ihren Arbeitsalltag gesprochen.

Frau Tosun, wie sind Sie zur Arbeits- und Gesundheitspsychologie gekommen? Was haben Sie vor Ihrem Studium an der PHB gemacht?

Zur Arbeits- und Gesundheitspsychologie bin ich gekommen, da ich gerne mit meiner Tätigkeit ansetzen möchte, bevor sich die meisten Krankheiten entwickeln. Entsprechend haben mich Inhalte zur Prävention und Entstehung von psychischen Krankheiten besonders interessiert. Auch die Auswirkungen relevanter Lebensbereiche, wie zum Beispiel die der Arbeitswelt, sind entscheidend und stehen in Wechselwirkung zu den verschiedensten Faktoren. Genau dieses Zusammenspiel interessiert mich und beschäftigt mich in meiner täglichen Arbeit.

Vor meinem Masterstudium habe ich meinen Bachelorabschluss an der Universität in Kassel abgeschlossen. Im Zuge eines Pflichtpraktikums während des Bachelorstudiums bin ich durch eine ehemalige Kollegin auf die PHB aufmerksam geworden und habe mich auch für diese entschieden.

 

 

Was machen Sie aktuell beruflich? Wie sieht Ihr typischer Arbeitsalltag aus?

Aktuell arbeite ich als Psychologin bei der Trivention GmbH. Hier leite ich gesundheitsfördernde Maßnahmen für Mitarbeitende und Leitungskräfte im Gesundheitsbereich mit dem Schwerpunkt der Pflege. Diese sollen die psychische Gesundheit der Mitarbeitenden fördern und im Idealfall die Gesundheitskompetenzen in der gesamten Einrichtung erweitern, so dass das Wohlbefinden und die Motivation gesteigert werden. Hierfür führe ich anfänglich eine Bedarfsanalyse in der jeweiligen Einrichtung durch. Ausgehend von den Bedarfen werden in Absprache mit der Einrichtung die Maßnahmen geplant und entsprechend umgesetzt. Um den Projekterfolg stetig zu überprüfen, führe ich mit der Einrichtung und ggfs. der finanzierenden Krankenkasse zusammen Steuerungskreise durch, so dass bei Bedarf Anpassungen der Maßnahmen vorgenommen werden können. In meinem Arbeitsalltag fallen zusätzlich zur Durchführung der Maßnahmen auch die Vor- und Nachbereitung der Termine an.

Darüber hinaus sind Konzeptionsarbeiten sowie der Austausch im Team Bestandteil meiner täglichen Arbeit. Das übergeordnete Ziel ist es, die psychische Gesundheit zu erhalten und zu fördern. Dazu werden Themen wie zum Beispiel Stressmanagement, Gewaltprävention, gesunde Führung und Achtsamkeit angeboten. Diese führe ich überwiegend im Gruppensetting durchgeführt. Aber auch Einzelcoachings mit individuellen Themen sind möglich. Die Maßnahmen finden dort statt, wo die Mitarbeitenden arbeiten, d.h. in den Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern selbst. Entsprechend ergibt sich auch eine gewisse Fahrtzeit, die im Arbeitsalltag berücksichtigt werden muss.

 

Was begeistert Sie an Ihrer Arbeit?

Mich begeistert an meiner Arbeit, dass ich präventiv zur Gesundheit anderer beitragen kann und einen wichtigen Anteil bei der Entstigmatisierung von psychischen Krankheiten und Belastungen habe. Vor allem Personen, die die Unterstützung annehmen können, profitieren sehr von dem Angebot. Dies zeigt sich in Gesundheit und Dankbarkeit, welche sich auch auf die direkte Versorgung der PatientInnen auswirkt. Außerdem kann durch meine Arbeit ein kleiner Teil zur Verbesserung im Gesundheitswesen beigetragen werden.

 

Woran erinnern Sie sich gern zurück, wenn es um Ihre Studienzeit an der PHB geht?

Mir sind vor allem die Lehrveranstaltungen an der PHB mit Fokus auf Praxisbezug in Erinnerung geblieben. Hierzu zählt zum Beispiel das Anwendungsseminar zu Easy Relax als wissenschaftlich erprobte Entspannungstechnik.

 

Gibt es besondere Erfahrungen oder Inhalte, die Ihnen im Berufsalltag besonders zugutegekommen sind?

Ja, vor allem die Inhalte aus dem gesundheitspsychologischen Bereich bzw. der A und O Bereich (Arbeits- und Organisationspsychologie, Anm. d. Red.) haben mir im Berufsalltag geholfen. Auch die umfassende Methodenkompetenz ist ein weiterer Vorteil, der die Konzeption von neuen Maßnahmen erleichtert. Zudem begleitet mich das Thema meiner Masterarbeit in meinem Berufsalltag in nun praktischer Art und Weise weiter.

 

Wie können Interessierte mit Ihnen in Kontakt treten?

Ein Kontakt kann sehr gerne über die PHB hergestellt werden, am besten per E-Mail unter alumni@phb.de.

Möchten auch Sie und Ihr Beruf in einem Interview vorgestellt werden?
Ihre Erfahrungen und Einblicke in die Praxis sind für unsere Studierenden inspirierend und hilfreich.
Melden Sie sich gern via alumni@phb.de

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Herzlich willkommen an der PHB: Carola Cropp auf Professur für Klinische Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie berufen

Porträt von Prof. Carola Cropp
Prof. Carola Cropp

Die Psychologische Hochschule Berlin (PHB) heißt Prof. Dr. Carola Cropp herzlich willkommen, die zum 1. Oktober 2025 den Ruf auf die Professur für Klinische Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie angenommen hat. Mit ihrer langjährigen Erfahrung in Wissenschaft und klinischer Praxis wird sie das Profil der PHB im Bereich Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie erweitern und auch den Aufbau einer Psychotherapeutischen Hochschulambulanz für Kinder und Jugendliche mitgestalten.

 

Der Schwerpunkt der wissenschaftlichen Arbeit von Prof. Dr. Carola Cropp liegt in praxisorientierter Forschung im Bereich der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie. Sie verbindet dabei empirische Forschung mit der klinischen Anwendung psychodynamischer Verfahren. Ihre aktuellen Forschungsinteressen umfassen unter anderem die Wirksamkeit psychodynamischer Psychotherapien im Kindes- und Jugendalter, Störungen der Persönlichkeitsentwicklung bei Kindern und Jugendlichen sowie altersspezifische interpersonelle Fähigkeiten in der psychotherapeutischen Arbeit.

 

Beruflicher Werdegang

Nach dem Abschluss ihres Psychologiestudiums war Prof. Dr. Carola Cropp viele Jahre an der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie des Asklepios Fachklinikums Tiefenbrunn tätig. Dort war sie sowohl wissenschaftlich – unter anderem in Projekten zur Wirksamkeit psychodynamischer Therapien im Kindes- und Jugendalter sowie zur Operationalisierten Psychodynamischen Diagnostik – als auch klinisch in der ambulanten und stationären psychotherapeutischen Versorgung von Kindern und Jugendlichen tätig.

 

Parallel promovierte sie an der Universität Kassel und absolvierte ihre Ausbildung zur Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin mit psychodynamischer Ausrichtung am Lou Andreas-Salomé Institut Göttingen. Nach der Promotion setzte sie ihre wissenschaftliche Laufbahn als Post-Doc an der Universität Kassel fort, wo sie ihre Forschungsschwerpunkte weiter ausbaute – insbesondere im Bereich datengestützter Qualitätssicherung und interpersoneller Fähigkeiten in der psychotherapeutischen Arbeit. Zuletzt war sie Vertretungsprofessorin für Klinische Kinder- und Jugendpsychologie und -psychotherapie an der Universität Greifswald.

 

Verbindung von Forschung und klinischer Praxis

Als zentralen Bestandteil ihrer Arbeit betont Prof. Cropp die enge Verbindung von Forschung und klinischer Praxis. An der PHB möchte sie diese Verbindung weiter stärken, Studierende für die psychotherapeutische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen begeistern und die Verfahrensvielfalt in der Lehre fördern: „Mir ist es ein besonderes Anliegen, Forschung, Lehre und klinische Praxis eng miteinander zu verzahnen – um Studierende bestmöglich auf die vielfältigen Anforderungen der psychotherapeutischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen vorzubereiten“, so Prof. Cropp. Ein weiteres wichtiges Ziel ist für sie der Aufbau einer Psychotherapeutischen Hochschulambulanz für Kinder und Jugendliche.

Examensfeier: PHB verabschiedet Absolvent*innen und zeichnet herausragende Abschlussarbeiten aus

Am 13. November fand an der PHB die diesjährige Herbst- und Examensfeier statt, auf der Absolventen und Absolventinnen der Bachelor- und Masterstudiengänge sowie der Approbationsausbildungen verabschiedet wurden. Im Rahmen der Feier zeichneten Rektor Prof. Siegfried Preiser und Pro-Rektor Prof. Frank Jacobi zudem herausragende Abschlussarbeiten dieses Jahrgangs aus. Preisträger*innen waren dieses Jahr Julia Bartels (B.Sc. Psychologie), Lea Schneider (B.Sc. Psychologie), Christoph Hahn (B.Sc. Psychologie), Maria Egert (B.Sc. Psychologie) und Marie Pütz (M.Sc. Psychologie: Klinische Psychologie und Psychotherapie). In ihren Arbeiten behandelten sie ein breites Spektrum psychologischer Themen, das von Gesundheit am Arbeitsplatz über Konfliktstile und politische Einstellungen bis hin zur Prävalenz sexueller Probleme in Psychotherapien reichten.

 

 

In ihrer Bachelorarbeit untersuchte Maria Egert den Zusammenhang zwischen Wahlverhalten, Mentalisierungsinteresse und antisemitischen Einstellungen. Auf Basis einer Studie mit über 200 Teilnehmenden zeigt die Arbeit, dass ein geringeres Mentalisierungsinteresse signifikant mit verschiedenen Formen von Antisemitismus zusammenhängt. Darüber hinaus werden Unterschiede zwischen den Wähler*innen politischer Parteien sichtbar. Die Arbeit leistet einen aktuellen Beitrag zur politischen Psychologie und wurde für ihre Eigenständigkeit und gesellschaftliche Relevanz besonders gewürdigt.

 

Ebenfalls in seiner Bachelorarbeit widmete sich Christoph Hahn der Frage, inwieweit private Konfliktstile mit Haltungen zu politischen Konfliktlösungen im Kontext des israelisch-palästinensischen Konflikts zusammenhängen. In einem aufwendigen internationalen Forschungsprojekt wurden eigens entwickelte und in mehrere Sprachen übersetzte Fragebögen eingesetzt. Die Ergebnisse zeigen, dass konstruktive Konfliktstile wie Kompromiss und Integration sowohl im privaten als auch im politischen Bereich miteinander in Beziehung stehen. Die Arbeit überzeugte durch ihre forschungspraktische und gesellschaftspolitische Relevanz unter besonders schwierigen Erhebungsbedingungen.

 

Marie Pütz analysierte im Rahmen ihrer klinischen Masterarbeit das Vorkommen sexueller Probleme in der ambulanten Psychotherapie und das Potenzial sogenannter Blended-Care-Angebote. Während sexuelle Probleme in der Allgemeinbevölkerung häufig vorkommen, werden sie in ambulanten Psychotherapien bislang selten offiziell diagnostiziert. In ihrer Arbeit analysierte Marie Pütz eine große randomisierte Studie zur Wirksamkeit von Blended Care – einer Kombination aus klassischer Psychotherapie und digitaler Unterstützung. Die Ergebnisse zeigen eine deutliche Diskrepanz: Rund ein Viertel der Patient*innen berichtete über klinisch relevante sexuelle Probleme – gleichzeitig wurde nur in fünf Fällen (0,43 %) eine entsprechende Diagnose gestellt. Gleichzeitig wird deutlich, dass digitale Zusatzangebote von Patient*innen sehr gut angenommen werden. Die Arbeit macht auf eine bislang wenig beachtete Versorgungslücke aufmerksam und liefert konkrete Impulse für eine zeitgemäße psychotherapeutische Praxis.

 

Julia Bartels untersuchte mithilfe einer zehntägigen Tagebuchstudie den Zusammenhang zwischen erlebter Autonomie und Zeitdruck im Arbeitsalltag. Ihre Analysen zeigen, dass eine höhere tägliche Autonomie mit geringerem Zeitdruck einhergeht – unabhängig vom allgemeinen psychischen Gesundheitszustand. Die Arbeit schließt eine wichtige Forschungslücke in der Arbeits- und Organisationspsychologie und liefert wertvolle Impulse für die Gestaltung gesunder Arbeitsbedingungen

 

Die Bachelorarbeit von Lea Schneider befasste sich mit Veränderungen in den Spielnarrativen von Kindern, die Misshandlungen erlebt haben. Ihre Ergebnisse zeigen, dass Kinder in Anwesenheit einer misshandlungsassoziierten Bezugsperson deutlich positivere Beziehungserzählungen darstellen. Die Arbeit verbindet, so die Laudatio, quantitativ-empirische Forschung mit psychoanalytischen und sozialpsychologischen Theorien und eröffnet neue Perspektiven für Diagnostik, Prävention und Therapie.

 

Die ausgezeichneten Arbeiten stehen exemplarisch für das hohe Niveau der Leistungen und des Engagements der PHB-Studierenden und zeigen wie wissenschaftliche Exzellenz mit gesellschaftlicher Verantwortung verbunden werden kann. Wir gratulieren auch an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich allen Preisträger*innen und Absolvent*innen und wünscht ihnen alles Gute auf ihrem weiteren Weg!

Prävention von Partnerschaftsgewalt und Intimiziden: Schulungen zur Risikoanalyse mit GATE-RAI an der PHB

Jeden Tag wird in Deutschland ein Mensch im Rahmen von Partnerschaftsgewalt Opfer eines versuchten Tötungsdelikts, alle drei Tage endet eine solche Tat tödlich. Diese Zahlen machen deutlich, wie wichtig es ist, Warnsignale frühzeitig zu erkennen und richtig einzuordnen.Genau hier setzt das Risikoanalyseinstrument GaTe-RAI (Gefährdungsanalyse Tötungsdelikte in Partnerschaft und Familie) an, das von Prof. Dr. Rebecca Bondü, Professorin für Entwicklungs-, Pädagogische und Familienpsychologie an der Psychologischen Hochschule Berlin (PHB), und ihrem Team entwickelt wurde. An der PHB werden in den nächsten Monaten Schulungen für interessierte Fachkräfte angeboten, die beruflich mit häuslicher Gewalt in Kontakt kommen. Der erste Termin findet am 24. November 2025 ab 09:30 Uhr statt. 

Prof. Rebecca Bondü
Prof. Rebecca Bondü

 GaTe-RAI ist ein empirisch fundiertes Risikoanalyseinstrument zur Einschätzung des Risikos einer potentiellen Tötung im partnerschaftlichen Kontext (Intimizid), das im Rahmen des durch das BMBF geförderten Verbundprojekts „Polizeiliche Gefährdungsanalysen zu Tötungsdelikten in Partnerschaft und Familie“ (GaTe) entwickelt wurde. Anders als bislang bestehende Risikoanalyseinstrumente im Bereich Intimizide beziehen sich die Kriterien in GaTe-RAI auf beobachtbare Inhalte und Merkmale von Leaking – also Tatankündigungen oder andere Verhaltensweisen, die auf eine Tatabsicht hinweisen können – sowie andere Warnsignale und mögliche Auslöser. Es schließt damit deutlich mehr als die bisher berücksichtigten Risikofaktoren ein. GaTe-RAI kann auf Personen in bestehenden oder ehemaligen Beziehungen sowie auf Männer und Frauen angewendet werden und weist gute Kennwerte auf. Auf Grundlage empirischer Forschung hilft GaTe-RAI so Fachkräften in polizeilichen, sozialpädagogischen oder psychologischen Kontexten, Risikofaktoren umfassend und systematisch zu bewerten. Ziel ist es, drohende Intimizide frühzeitig zu erkennen und zu verhindern.

 

In den kommenden Monaten bietet die Forschungsgruppe unter Leitung von Prof. Bondü nun eine Schulungen zu GaTe-RAI an, in der das Instrument vorgestellt und praktisch eingeübt wird. Die Schulungen richten sich an Fachkräfte, die beruflich mit häuslicher Gewalt in Berührung kommen – etwa in Polizei, Frauen- und Männerhäusern, Jugendämtern, Täter*innenarbeit oder in psychologischen und psychotherapeutischen Kontexten. „Viele Taten kündigen sich an – entscheidend ist, dass Fachkräfte wissen, worauf sie achten müssen,“ so Prof. Dr. Rebecca Bondü zum Ziel der Schulung. „Wenn Leaking-Phänomene und andere Warnsignale richtig erkannt und eingeordnet werden, können Interventionen rechtzeitig erfolgen – bevor aus Warnsignalen Gewalt wird.“

 

Die erste Schulung findet am 24. November 2025 von 09:30 bis ca. 17:30 Uhr in den Räumen der PHB (Am Köllnischen Park 2, 10179 Berlin) statt. Die Teilnahmegebühr beträgt 125 €, für Verpflegung ist gesorgt. Anmeldungen sind über das folgende Formular möglich!

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