Virtuell und international: 19. Tagung der Fachgruppe Rechtspsychologie der DGPs wird dieses Jahr von der PHB ausgerichtet

Die diesjährige 19. Tagung der Fachgruppe Rechtspsychologie der DGPs wird erstmals von der PHB ausgerichtet. Die Konferenz wird vom 22. bis 24. September 2021 aufgrund der Pandemiebedingungen online stattfinden. Als Keynote Speaker konnten mit Prof. Dr. Michael Seto, Dr. Taina Laajasalo und Prof. Dr. Matthias Gamer international renommierte ReferentInnen aus verschiedenen Bereichen der Rechtspsychologie gewonnen werden. Anmeldungen zur Konferenz sind ab sofort über die Tagungswebsite möglich.

 

Die Rechtspsychologie ist an der PHB seit 2015 mit einer eigenen Professur für Rechtspsychologie (Prof. Dr. Renate Volbert) und seit 2018 zusätzlich mit einer Juniorprofessur für Familienrechtspsychologie (Prof. Dr. Jelena Zumbach-Basu) vertreten und wird durch rechtspsychologische Forschungsaktivitäten der Professur für Entwicklungs-, Pädagogische und Familienpsychologie (Prof. Dr. Rebecca Bondü) ergänzt. Die PHB stellt somit einen Ort dar, an dem thematisch vielfältige rechtspsychologische Forschung realisiert wird.

 

Von den drei rechtspsychologischen Arbeitsgemeinschaften ausgerichtet, wird die Tagung der Fachgruppe Rechtspsychologie der DGPs dieses Jahr nun erstmals an der PHB stattfinden. Als Keynote Speaker konnten international renommierte ReferentInnen aus verschiedenen Bereichen der Rechtspsychologie gewonnen werden, die Vorträge zu aktuellen Forschungsthemen halten werden:

 

  • Prof. Dr. Michael Seto (Forensic Mental Health, The Royal’s Institute of Mental Health Research, Ottawa, Canada): Psychological Risk Factors for Sexual Offending Against Children
  • Dr. Taina Laajasalo, Chief Specialist (Finnish Institute of Health and Welfare, University of Helsinki): The Barnahus-model and experiences from Finland
  • Prof. Dr. Matthias Gamer (Universität Würzburg): Können wir uns zuverlässig an traumatische Erfahrungen erinnern?

 

Aufgrund der Pandemiebedingungen wird die Tagung im Onlinemodus stattfinden – dabei wird jedoch mit innovativen Formaten gearbeitet werden, die trotz Virtualität einen lebendigen und persönlichen Auzstausch ermöglichen. Informationen zum Tagungsprogramm und zur Anmeldung sind auf der Tagungswebsite verfügbar.

„Berlin will´s wissen“: Die PHB nimmt teil an der Wissensstadt Berlin

Foto © Harf Zimmermann, 3D Visualisierung © Tonio Freitag

Was hält unsere Gesellschaft zusammen? Wann führt der Klimawandel zum Systemwandel? Und wie wird aus Wissen Gesundheit? Zu diesen Fragen findet vom 26. Juni bis 22. August vor dem Berliner Roten Rathaus die „Wissensstadt Berlin“ statt – ein Projekt, in dem renommierte Berliner Institutionen  Wissenschaft transparent und erlebbar machen. Auch die PHB beteiligt sich mit Beiträgen von Prof. Dr. Rebecca Bondü und Prof. Dr. Frank Jacobi.

 

Die „Wissensstadt Berlin“ ist ein durch den Berliner Senat gefördertes großes Gemeinschaftsprojekt, in dem mehr als 30 der renommiertesten Forschungsinstitutionen Berlins Wissenschaft transparent und erlebbar machen. Dabei geht es um drei große Themen: Klima, Gesundheit und Zusammenleben. Den Auftakt des vielfältigen Open-Air-Programms vor dem Roten Rathaus macht am 26. Juni eine Open-Air-Ausstellung. Neben der Ausstellung können BesucherInnen ein Programm aus mehr als 100 Podiumsdiskussionen, Lesungen, Kino-Abenden, Science Slams, Kinder-Uni und Workshops erleben — live und kostenlos. Im Roten Rathaus wird darüber hinaus eine Sonderausstellung anlässlich der 200. Geburtstage des Physiologen und Physikers Hermann von Helmholtz sowie des Arztes und Politikers Rudolf Virchow angeboten.

 

Die PHB beteiligt sich mit zwei Beiträgen an der Veranstaltung: im Rahmen des Aktionstages am 2. Juli zeigte Prof. Rebecca Bondü mit ihrer Forschungsgruppe unter dem Titel „Das ist nicht fair!“ mit spielerischen Experimenten, wie man Sensibilität für (Un-)gerechtigkeit bei Kindern und Jugendlichen messen kann und wie sie sich auf das Verhalten der Kinder auswirkt.

 

Am 12. August wird Prof. Frank Jacobi in seinem Vortrag „Corona – Mein ungebetener Zwischenmieter“ gemeinsam mit PiAs der PHB wissenschaftlich erforschte Verhaltensmaßnahmen und mentale Strategien präsentieren, die Menschen helfen können, die Herausforderungen der Corona-Pandemie zu meistern.

Mehr Informationen

„Impfneid“: Neue Studie um Prof. Rentzsch untersucht Neiderfahrungen im Kontext von Covid-19

Prof. Katrin Rentzsch

Neid auf bereits geimpfte Menschen ist ein Phänomen, das im Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie neu entstanden ist und in der Öffentlichkeit stark diskutiert wird. Wie verbreitet ist dieses Phänomen und womit hängt es zusammen? Diese Fragen untersucht die Forschungsgruppe um Prof. Katrin Rentzsch in ihrer aktuellen Studie „Impfneid in Zeiten von Covid-19“, bei der bereits erste Ergebnisse vorliegen.

 

Seit Jahren befassen sich Prof. Dr. Katrin Rentzsch und ihre Doktorandin Elina Erz wissenschaftlich mit dem Thema Neid. Dabei untersuchen sie, warum sich Menschen im Neiderleben unterscheiden. „Diese Fragen wollen wir nun auch in die Erforschung von Impfneid einbringen“, so Prof. Rentzsch. „Mit unserer Studie wollen wir einen wissenschaftlichen Beitrag zur aktuellen Impfneiddebatte leisten. Zurzeit wird viel Spekulation betrieben, wenn es um Impfneid geht, und es liegen kaum Erkenntnisse über die tatsächlichen Erfahrungen von Menschen vor. Wir glauben, dass die Ergebnisse unserer Untersuchungen die aktuelle Debatte an dieser Stelle bereichern werden.“

 

Für ihre Studie „Impfneid in Zeiten von Covid-19“ untersuchen die Forscherinnen mithilfe von Onlineumfragen die Einstellungen und Wahrnehmungen von geimpften und ungeimpften Personen. 1175 Personen zwischen 18 und 88 Jahren nahmen bereits an der ersten Befragung im Mai teil. Um zu untersuchen, wie sich Impfneid mit zunehmendem Fortschritt der Impfkampagne entwickelt, ist außerdem eine zweite Befragung in einigen Monaten geplant.

 

In der Befragung zeigte sich, dass Impfneid für viele Menschen ein Thema ist: Fast die Hälfte der Ungeimpften berichtete, manchmal bis sehr oft Impfneid zu erleben. Interessanterweise hing Impfneid dabei kaum mit objektiven Faktoren wie Covid-Erkrankungen im Umfeld und finanziellen Einbußen durch Corona zusammen. Auch die politische Einstellung der Personen spielte keine Rolle für das Erleben von Impfneid. Stattdessen ging Impfneid mit Sorgen um die eigene Gesundheit oder die Gesundheit anderer, einem subjektiven Bedrohungsgefühl und der Bewertung der Situation als ungerecht einher.

 

Die Wissenschaftlerinnen gehen darüber hinaus davon aus, dass Unterschiede im Impfneiderleben mit bestimmten Persönlichkeitsmerkmalen zusammenhängen. So unterscheiden sich Menschen etwa darin, wie sensibel sie darauf reagieren, ungerecht behandelt zu werden, oder in ihrer Neigung, sich mit anderen Menschen zu vergleichen. Erste Ergebnisse zeigen, dass eine stärkere Ausprägung in diesen Neigungen mit Impfneid in Zusammenhang steht.

Mehr Informationen

Selbstregulation als psychische Ressource: Neues DFG-Projekt in Kooperation mit der Universität Potsdam und der International Psychoanalytic University

Prof. Dr. Rebecca Bondü

Selbstregulation ist die Fähigkeit, Gedanken, Gefühle und Verhalten so an die Anforderungen unterschiedlicher Situationen anzupassen, dass eigene Ziele erfolgreich verfolgt werden können. Sie gilt als wichtige Ressource für eine gesunde psychische und soziale Entwicklung. Forschung zu diesem Thema hat sich bisher jedoch vor allem auf Kinder konzentriert – über die Bedeutung und Entwicklung von Selbstregulation bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen ist dagegen wenig bekannt. In einem neuen Kooperationsprojekt wird sich eine Forschungsgruppe aus WissenschaftlerInnen der PHB, der Universität Potsdam und der International Psychoanalytic University nun diesem Thema widmen.

 

Das Projekt ist in der ersten von zwei möglichen Förderperioden auf drei Jahre angelegt und wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert. Unter dem Titel „Selbstregulation als Ressource in der Bewältigung von Entwicklungsanforderungen – eine prospektive Analyse von der mittleren Kindheit bis zur Adoleszenz“ werden die beteiligten WissenschaftlerInnen untersuchen, welche Bedeutung Selbstregulation vom Kindes- bis zum frühen Erwachsenenalters zukommt und wie sie die Entstehung und Aufrechterhaltung psychischer Erkrankungen beeinflussen kann. An der PHB wird die Forschungsgruppe im Fachbereich Entwicklungs-, Pädagogische und Familienpsychologie durch zwei Teilprojekte vertreten sein. Unter Leitung von Prof. Dr. Rebecca Bondü wird dabei vor allem untersucht werden, inwiefern Selbstregulationskompetenzen die Entstehung pro- oder antisozialen Verhaltens beeinflussen.

 

Die Forschungen des Kooperationsprojektes bauen auf früheren Erhebungen mit Kindern im mittleren Kindesalter auf und sind als Längsschnittstudie angelegt. Die WissenschaftlerInnen erhoffen sich dadurch neue Erkenntnisse über die langfristige Entwicklung, Wirkung und Bedeutung von Selbstregulationskompetenzen. „Selbstregulationskompetenzen beeinflussen ein Leben lang unser gesamtes Erleben und Verhalten in alltäglichen und herausfordernden Situationen. Daher ist es wichtig, sie und ihre langfristigen Wirkungen besser zu verstehen“, so Prof. Dr. Rebecca Bondü.

 

Das Projekt ist eine Gemeinschaftsprojekt der Psychologischen Hochschule Berlin, der Universität Potsdam und der International Psychoanalytic University. Es wird durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert.

Arbeit in Zeiten von Corona: Neue Forschungsergebnisse zu Stresserleben und Wohlbefinden von ArbeitnehmerInnen in der Pandemie

Welche Effekte hatte und hat die Corona-Pandemie auf ArbeitnehmerInnen? Wie hat sich ihr Wohlbefinden und ihr Stresserleben unter den Bedingungen erzwungener Telearbeit verändert? Eine Gruppe von vier ForscherInnen aus Deutschland, Österreich und den Niederlanden – darunter Prof. Tim Vahle-Hinz von der PHB – hat dies in einer Studie untersucht, die besondere sozialwissenschaftliche Einblicke in die Effekte der Corona-Pandemie gewährt. Erste Ergebnisse haben die ForscherInnen nun im International Journal of Psychology veröffentlicht.

 

Die Forschungsgruppe startete 2020 mit einer Studie, in deren Rahmen sie die Auswirkungen eines neuen Urlaubskonzeptes („Unlimited Leave“) erforschen wollte. Dabei sollten Parameter arbeitsbezogenen Wohlbefindens wie Arbeitslast, Arbeitszufriedenheit, Autonomie und Work-Non-Work-Balance mit quantitativen Methoden untersucht werden. Die Erhebungsphase begann im Januar 2020. Als die Corona-Pandemie in den Niederlanden zu landesweiten Einschränkungen sozialer Kontakte führte, bedeutete dies für die Mehrzahl der am Projekt teilnehmenden Beschäftigten einen Übergang zu erzwungener Telearbeit.

 

Das Forschungsprojekt wandelte sich daraufhin zum Teil in ein nicht vorhergesehenes Feldexperiment, welches die Chance bot, Veränderungen von Wohlbefinden und Stresserleben bei den ArbeitnehmerInnen vor dem Hintergrund der Pandemieentwicklung zu beobachten. Dazu wurden die untersuchten Parameter wie Arbeitszufriedenheit, Arbeitsengagement, Work-Non-Work-Balance und Autonomieerfahrung weiter fokussiert und durch qualitative Fragen mit Pandemiebezug ergänzt.

 

Erste Ergebnisse ihrer Erhebungen haben die ForscherInnen nun im International Journal of Psychology veröffentlicht. Die Ergebnisse sind komplex und spiegeln die Verschiedenartigkeit der Herausforderungen wieder, denen sich Berufstätige seit Beginn der Pandemie gegenübersehen. Sie weisen darauf hin, dass demographische Aspekte wie Alter, Geschlecht und Familienstand einen Einfluss darauf haben können, wie Menschen die Pandemie und ihre Auswirkungen wahrnehmen. Und sie zeigen, wie Menschen – oft in auch für die ForscherInnen überraschender Weise – in der Lage sind, Krisen- und Transformationsprozesse zu bewältigen.

 

Konkret stellte sich heraus, dass Indikatoren arbeitsbezogenen Wohlbefindens unterschiedlich durch die Pandemie beeinflusst wurden, wobei teilweise sehr dynamische Entwicklungen zu verzeichnen waren. So zeigten sich die Befragten zu Beginn der Pandemie stärker zufrieden mit ihrer Arbeit als vor der Pandemie – während sie aber gleichzeitig ein sinkendes Arbeitsengagement empfanden. Im Bereich der Work-Non-Work-Balance waren zu Beginn der Pandemie, wie von den ForscherInnen erwartet, sinkende Zufriedenheitswerte zu verzeichnen – was auf Probleme in der Vereinbarung von unterschiedlichen Rollen und Lebensbereichen hindeutet. Es zeigte sich aber, dass diese Werte im Laufe der Zeit wieder positiver wurden. Die Interpretation der ForscherInnen: „It seems that once employees have adapted to the initial stress of the pandemic and to forced telework, they may also benefit in terms of enriched work and well-being.“ Vor dem Hintergrund ihrer Forschungen lautet die Empfehlung der Forschungsgruppe entsprechend: „Harnessing and increasing these positive effects is essential, because we expect that telework is here to stay and hybrid work will become the future“.

 

Informationen zum Artikel:

C. Syrek, J. Kühnel, T. Vahle-Hinz, J. de Bloom: „Being an accountant, cook, entertainer and teacher-all at the same time: Changes in employees‘ work and work-related well-being during the coronavirus (COVID-19) pandemic“ in: International Journal of Psychology, 2021 April, 7; doi: 10.1002/ijop.12761

Foto Vahle-Hinz
Prof. Tim Vahle-Hinz

Zur Person:

Prof. Tim Vahle-Hinz leitet den Fachbereich Organisations-, Wirtschaft- und Sozialpsychologie an der PHB. In seiner Forschungsarbeit widmet er sich schwerpunktmäßig der Prävention von berufsbedingten Erkrankungen sowie der Gesundheitsförderung im betrieblichen Kontext und untersucht organisationale Faktoren und Verhaltensweisen, die Beschäftigte darin unterstützen sich in ihrer Arbeit zu entwickeln (positiver Ansatz), sowie Faktoren und Verhaltensweisen, die helfen, negative gesundheitliche Folgen von Erwerbsarbeit zu verhindern (negativer Ansatz). Thematische Schwerpunkte liegen dabei auf der Untersuchung von Mechanismen, die die positive oder negative Wirkung von organisationalen Faktoren und Verhaltensweisen erklären können, sowie auf gesundheitsrelevanten Veränderungen in der Art und Weise, wie wir arbeiten (Stichwort: Zukunft der Arbeit).

19. Tagung der Fachgruppe Rechtspsychologie der DGPs vom 22.09. bis 24.09. an der PHB: Call for Abstracts

Die diesjährige 19. Tagung der Fachgruppe Rechtspsychologie der DGPs wird vom 22. bis 24. September 2021 an der PHB stattfinden. Die Deadline für die Einreichung von Abstracts ist der 30. April 2021!

 

Die Rechtspsychologie ist an der PHB seit 2015 mit einer eigenen Professur für Rechtspsychologie (Prof. Dr. Renate Volbert) und seit 2018 zusätzlich mit einer Juniorprofessur für Familienrechtspsychologie (Prof. Dr. Jelena Zumbach-Basu) vertreten und wird durch rechtspsychologische Forschungsaktivitäten der Professur für Entwicklungs-, Pädagogische und Familienpsychologie (Prof. Dr. Rebecca Bondü) ergänzt. Die PHB stellt somit einen Ort dar, an dem thematisch vielfältige rechtspsychologische Forschung realisiert wird.

 

Dieses Jahr wird die Tagung der Fachgruppe Rechtspsychologie der DGPs nun erstmals an der PHB stattfinden. Als Keynote Speaker konnten international renommierte Referent*innen gewonnen werden:

 

  • Prof. Dr. Michael Seto (Forensic Mental Health, The Royal’s Institute of Mental Health Research, Ottawa, Canada)
  • Dr. Taina Laajasalo, Chief Specialist (Finnish Institute of Health and Welfare, University of Helsinki)
  • Prof. Dr. Matthias Gamer (Universität Würzburg)

 

Bezüglich des Tagungsmoduses erfordern die aktuellen Umstände momentan noch eine flexible Planung. Zwar ist die Durchführung als Präsenztagung seitens der PHB ausdrücklich gewünscht – ob dies jedoch möglich sein wird, ist aktuell noch unklar. Eine Entscheidung wird diesbezüglich am 01. Mai 2021 auf Basis der dann vorhandenen Informationslage getroffen. Sollte eine Präsenztagung nicht möglich sein, wird die Tagung online durchgeführt werden.

 

Abstracts für Beiträge können ab sofort eingereicht werden. Die Veranstalterinnen laden explizit dazu ein, neben individuellen Beiträgen und Symposien auch innovative Formate vorzuschlagen. Deadline ist der 30. April 2021.

PHB prämiert herausragende Masterarbeiten: Erstmals Preis für Arbeiten mit besonderer gesellschaftlicher Relevanz vergeben

Um herausragende Abschlussarbeiten Studierender des Masterbereichs auszuzeichnen, schreibt die Psychologische Hochschule Berlin (PHB) jedes Jahr zwei mit 500 Euro dotierte Preise aus, die dieses Wintersemester an Fenja Benthien und Constance Hirschmeier vergeben wurden. Darüber hinaus wurde erstmals durch das Kuratorium der PHB auch ein Preis für eine Masterarbeit mit „besonderer gesellschaftlicher Relevanz“ vergeben, der unter zwei Masterabsolventinnen – Adelina Dikova und Paulina Lauda – aufgeteilt wurde. Die Preise werden durch den Förderverein der PHB gestiftet.

 

Seit ihrer Gründung hat sich die PHB dazu bekannt, grundlagenorientierte und angewandte psychologische Forschung und Lehre gleichermaßen zu fördern und einen Beitrag dazu zu leisten, wissenschaftliche Erkenntnisse und Methoden in die Gesellschaft zu transferieren. In diesem Zusammenhang hat das Kuratorium der PHB im Wintersemester 2020/21 erstmals einen Preis für eine „Masterarbeit mit besonderer gesellschaftlicher Relevanz“ ausgeschrieben. Die beiden eingereichten Nominierungen waren methodisch und inhaltlich sehr unterschiedlich, aber in Konzeption und Durchführung so hervorragend, dass der Preis mit voller Anerkennung und zu gleichen finanziellen Teilen an zwei Absolventinnen vergeben wurde. Die Preisträgerinnen sind:

 

Adelina Dikova bei der der Preisübergabe durch Rektor Prof. Dr. Siegfried Preiser

Adelina Dikova mit ihrer Arbeit „Experte, Mittler, Migrant. Eine explorative Interviewstudie zur Auswirkung des geteilten Migrationshintergrundes zwischen türkischstämmigen Experten und deren Klienten in der psychosozialen Arbeit“: Adelina Dikova hat in ihrer Masterarbeit die Perspektive von Menschen untersucht, die vor dem Hintergrund eigener Migrationserfahrungen mit Klienten und Klientinnen mit Migrationshintergrund in der psychosozialen Versorgung arbeiten. Dazu hat sie in einem Kooperationsprojekt mit dem Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienst Friedrichshain-Kreuzberg gemeinsam mit einer Kommilitonin Forschungsinterviews geführt und diese nach der Methode der Thematischen Analyse ausgewertet. Vor dem Hintergrund einer kritischen Betrachtung von Konzepten wie „Migration“ oder „Kultur“ wurden Handlungsempfehlungen und Forschungsimplikationen abgeleitet.

 

Pauline Lauda mit ihrer Arbeit „Psychiatrisches Behandlungswohnen als moderne Behandlungsform einer Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie: Untersuchung der Durchführbarkeit im Hanauer Modell“: In ihrer Masterarbeit hat Pauline Lauda die Durchführbarkeit des sogenannten Psychiatrischen Behandlungswohnens untersucht, einer bundesweit bislang einmaligen Behandlungsform, die an der Hanauer Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie im Rahmen eines Modellvorhabens entwickelt wurde. Es bietet wohnungs- und obdachlosen Patienten und Patientinnen statt einer stationären Krankenhausaufnahme eine ambulante Akutbehandlung in Verbindung mit soziotherapeutischem Wohntraining in einer eigenen Wohnung, die von der Klinik außerhalb des Klinikgeländes mitten in der Gemeinde angemietet wird.

 

Constance Hirschmeier bei der Preisübergabe mit Rektor Prof. Siegfried Preiser.

Für die beste Masterarbeit des vergangenen Jahres hat die Jury der PHB je eine Preisträgerin aus dem Masterstudium Psychologie und eine aus den postgradualen Studiengängen ausgewählt:

 

Constance Hirschmeier mit ihrer Arbeit „Die Selbstüberschätzung des Psychotherapeuten Zusammenhang der Selbst- und Fremdeinschätzung interpersoneller therapeutischer Fähigkeiten“: Constance Hirschmeiers Masterarbeit ist Teil eines umfangreichen Forschungsprojektes zum Umgang mit Spannungen und Krisen in der therapeutischen Beziehung und entstand im Rahmen des postgradualen Ausbildungsstudiengangs in Tiefenpsychologisch fundierter Psychotherapie. Ziel der Arbeit war es, die Diskrepanz zwischen der Selbst- und der Fremdeinschätzung der interpersonellen Fähigkeiten von (angehenden) Psychotherapeuten und Psychotherapeutinnen zu untersuchen und mit bisherigen Forschungsergebnissen in Bezug zu setzen. Insgesamt zeigte sich eine durchschnittliche Selbstüberschätzung der Therapeuten und Therapeutinnen. Die Diskrepanz zwischen Selbst- und Fremdeinschätzung war besonders in Rollenbild-spezifischen Aspekten von hilfreichen interpersonellen therapeutischen Fähigkeiten ausgeprägt. Selbstüberschätzung stand dabei im Zusammenhang mit niedrigeren Fremdbeurteilungen, therapeutischer Vorerfahrung und hohen Ausprägungen in selbstbezogenen, statt fremdbezogenen Tendenzen.

 

Fenja Benthien mit ihrer Arbeit „Does Location Uncertainty Modulate Unconscious Processing Under Continuous Flash Suppression?“: In ihrer Masterarbeit hat Fenja Benthien den Einfluss der visuell-räumlichen Aufmerksamkeit auf die Verarbeitung unbewusster visueller Reize in einem Priming-Paradigma untersucht. Abgeleitet aus anderen Studienergebnissen war ihre Annahme, dass die Abwesenheit fokussierter visuell-räumlicher Aufmerksamkeit zu einer Reduktion interokularer Suppression führen würde, weshalb unbewusste Priming-Reize eher verarbeitet werden könnten. Entgegen der Ausgangshypothese zeigte sich im Experiment kein starker Priming-Effekt. Als Grunde wurde unter anderem ein Konflikt mit anderen kognitiven Mechanismen diskutiert, die der bewussten und unbewussten Reizverarbeitung zugrunde liegen und so Priming-Effekte gehemmt oder reduziert haben könnten. Die präregistrierte Forschungsarbeit wurde in Form eines Artikels im Journal „Advances in Cognitive Psychology“ zur Publikation angenommen.

 

Die PHB gratuliert allen vier Preisträgerinnen herzlich und wünscht ihnen alles Gute für ihren weiteren beruflichen Weg!

Prof. Dr. Frank Jacobi: Wie Menschen häusliche Isolation und Quarantäne gut überstehen

Prof. Dr. Frank Jacobi

„No man is an Island entire of itself“
John Donne

 

Psychologische Studien weisen immer wieder darauf hin, wie sehr Menschen auf soziale Bezüge angewiesen sind. Die Coronapandemie stellt Menschen in diesem Zusammenhang vor enorme Herausforderungen. In vielen Ländern hat sie dazu geführt, dass weite Gruppen der Gesellschaft über große Zeiträume zu häuslicher Isolation und Quarantäne aufgefordert werden.

 

Der Umgang mit häuslicher Isolation ist jedoch für viele Menschen eine enorme und vor allem auch neuartige Herausforderung. Für Familien und Wohngemeinschaften birgt sie ein verstärktes Konfliktpotential, Alleinlebende sind unter Umständen mit Einsamkeits- und Isolationsgefühlen konfrontiert. Welche Möglichkeiten haben Menschen, mit Schwierigkeiten häuslicher Isolation umzugehen? Prof. Dr. Frank Jacobi,  Prorektor und Leiter des Fachbereichs Verhaltenstherapie an der PHB, hat in einem Artikel psychologische Empfehlungen zusammengefasst, die Menschen helfen können, Phasen von Quarantäne und Ausgangssperre psychisch gut zu überstehen.

 

Artikel zum Download: Prof. Dr. Frank Jacobi: Wie Sie häusliche Isolation und Quarantäne gut überstehen.


Artikel zum Download (Türkisch): İzolasyonı ve Karantinayı En İyi Nasıl Atlatırsınız?
Artikel auf dw.com (Russisch):
Карантин затягивается: немецкий психолог советует, как сохранить мир в семье


Der Artikel ist in editierter Fassung auch in der Zeitschrift „Psychotherapeut“ erschienen: Artikel zum Download

 

Interview zum Thema: Deutschlandfunk „Lebenszeit“ vom 15.1.21 zum Thema „Verordneter Ausnahmezustand – Leben in Quarantäne“ (mit Prof. Dr. Frank Jacobi) [72 min.]

Kurzbeitrag zum Thema:Wiederhochfahren von Aktivitäten und Kontakten“ bei Deutschlandfunk Nova (mit Prof. Dr. Frank Jacobi) [5:30 min.]

 

Prof. Dr. Frank Jacobi ist Prorektor der Psychologischen Hochschule Berlin (PHB) sowie Leiter des Fachbereichs Verhaltenstherapie. In seiner Forschungsarbeit beschäftigt er sich seit langem mit der Entstehung und dem Verlauf psychischer Störungen sowie der Suche nach Risiko- und Schutzfaktoren.

 

Folgendes Fachbuch zum Thema können wir besonders empfehlen:
Taylor, S. (2020). Die Pandemie als psychologische Herausforderung. Ansätze für ein psychosoziales Krisenmanagement. Gießen: Psychosozial-Verlag.
[Original 2019: The psychology of pandemics. Preparing for the next global outbreak of infectious disease. Newcastle: Cambridge Scholars Publishing].

 

Außerdem interessant hierzu:
Rezension des Fachbuchs aus report psychologie (7+8/2020) 
15minütiges Interview mit dem Autor Dr. Steven Taylor

CBASP: Start neuer Fortbildungsreihe in Kooperation mit der Charité Berlin und der Universität Greifswald

In Kooperation mit der Charité Berlin und der Universität Greifswald bietet die PHB ab Februar 2021 wieder eine Fortbildungsreihe in CBASP (Cognitive Behavioral Analysis System of Psychotherapy) an, die sich an Psycholog/innen, Ärzt/innen und Pflegefachkräfte richtet, die therapeutisch mit chronisch depressiven Menschen arbeiten. Vor dem Hintergrund der Covid-19-Pandemie wird die Fortbildungsreihe im kommenden Jahr teilweise online angeboten.

 

Wofür steht CBASP?

Chronisch depressive Patienten können für PsychotherapeutInnen oder stationäre Behandlungsteams aufgrund der Schwierigkeit, mit ihnen in eine vertrauensvolle und konstruktive Beziehung zu treten, eine große Herausforderung darstellen. Die Patienten erscheinen im therapeutischen Kontakt häufig besonders verschlossen, ängstlich, misstrauisch bis hin zu passiv-aggressiv, feindselig oder suizidal. Durch die Kenntnis ihrer frühen traumatisierenden  Beziehungserfahrungen sind diese Verhaltensweisen oft erklärbar. Dennoch behindern sie den Beziehungsaufbau und den Therapiefortschritt  und lösen nicht selten auch in Psychotherapeuten negative Emotionen aus.

James McCulloughs CBASP ist der bisher einzige therapeutische Ansatz, der spezifisch für diese Patientengruppe entwickelt wurde. Ausgehend von der Psychopathologie dieser Patienten werden in CBASP schulenübergreifend behaviorale, kognitive, psychodynamische und interpersonelle Strategien integriert. Die Wirksamkeit von CBASP wurde in  mehreren randomisiert-kontrollierten Studien nachgewiesen, sodass CBASP in internationalen und deutschen Leitlinienempfehlungen Eingang fand.

 

Zur Fortbildung an der PHB:

Das Curriculum beinhaltet vier Workshop-Wochenenden. Die zwei Einführungs- und Aufbauworkshops werden aufgrund der Covid-Pandemie als Online-Seminare veranstaltet, die Praxis-Workshops sind als Präsenzveranstaltungen in den Räumlichkeiten der PHB geplant. Das Curriculum wird geleitet und durchgeführt von Dr. Anne Guhn, Prof. Dr. Stephan Köhler und Prof. Dr. Philipp  Sterzer von der Charité Berlin in Kooperation mit Prof. Dr. Eva-Lotta Brakemeier von der Universität Greifswald.

 

Für den Jahrgang 2021 / 2022 findet die Fortbildung an folgenden Terminen statt:

26./27.02.2021 (Einführungsworkshop) – Online
21./22.05.2021 (Aufbauworkshop)Online
15./16.10.2021 (Praxistag I)
14./15.01.2022 (Praxistag II)

 

Die ersten beiden Teile der Fortbildungsreihe sind vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie als Onlineformat geplant. Die Praxistage I und II werden soweit möglich in Präsenz stattfinden.

 

Sämtliche Veranstaltungen werden bei der Psychotherapeuten-Kammer zur Zertifizierung eingereicht und können damit als Fortbildungsnachweis im Sinne der Fortbildungsverpflichtung anerkannt werden. Die Berliner Ärztekammer erkennt bis zu 30 Fortbildungseinheiten pro Jahr von Veranstaltungen an, die von der Berliner Psychotherapeuten-Kammer zertifiziert sind.

 

Interessierte können sich per Email an Frau Olga Gette (o.gette@psychologische-hochschule.de) wenden. Ausführliche Informationen zur Fortbildung finden sich auch in unserem Fortbildungsflyer oder auf unserer Website unter CBASP-Curriculum.

 

Das Curriculum erfüllt die Fortbildungsrichtlinien des Dachverbands CBASP-Netzwerk e.V. (www.cbasp-network.de).

Weitere Informationen

Gesund und erfolgreich durchs Studium: Psychologische Beratungsstelle an der PHB gegründet

Gesund durchs Studium in der Corona-Zeit: 10 Tricks und Tipps

Studierende befinden sich in einer Lebensphase, die häufig mit großen Entwicklungsaufgaben einhergeht. Themen wie Selbstorganisation, Orientierung, Finanzierung sowie neue Leistungsanforderungen können so herausfordernd werden, dass sie nicht selten überfordern. Studien zeigen, dass vor diesem Hintergrund bis zu 30 Prozent der Studierenden in Deutschland keine andere Lösung sehen, als ihr Studium abzubrechen. Um Studierende der PHB zu unterstützen, mit den Herausforderungen eines Studiums gut umzugehen, wurde unter Leitung von Anna-Maria de Veer nun zum Wintersemester eine Psychologische Beratungsstelle für Studierende an der PHB eingerichtet.

 

„Es ist uns als Psychologische Hochschule ein wirklich wichtiges Anliegen, unsere Studierenden bestmöglich zu unterstützen.“, so Anna-Maria de Veer. „Gerade der Übergang von der Schule zur Uni ist ja eine sehr herausfordernde Zeit. Plötzlich sind altbewährte Lernstrategien nicht mehr umsetzbar oder zielführend, man muss sich anders strukturieren, sein Zeitmanagement überdenken, „Mut zur Lücke“ entwickeln und vieles mehr. Dies alles sind mitunter sehr komplexe und nicht zu unterschätzende Entwicklungsaufgaben an Studierende, die oft im Verlauf des Studiums selbständig bewältigt werden – bei deren Lösung man sich aber durchaus auch Unterstützung holen darf!“

 

Das Angebot der neuen Beratungsstelle richtet sich an PHB-Studierende aller Jahrgänge und wird psychologische Einzel- und Gruppenberatung sowie Krisenintervention bei allgemeinen studienbezogenen Problemen im Zusammenhang mit Selbstorganisation, Zeitmanagement und Stressbewältigung umfassen. Die Beratungsstelle ist aber auch für Studierende gedacht, die merken, dass sie mit schon mit weitergehenderen psychischen Problemen zu tun haben wie Prüfungsangst, Motivationsproblemen, Schreibhemmung, chronischem Aufschieben oder Redeangst.

 

Durch die Corona-Pandemie, die das Studium fast ausschließlich in den Onlinebereich verlagert, sieht Anna-Maria de Veer Studierende aktuell vor besonders große Herausforderungen gestellt. „Man kann aber auch einiges tun, um sich selbst in dieser Zeit zu stärken. Wir haben einen Flyer entwickelt, der einige wichtige Strategien aufführt, die helfen können, psychisch gesund durch die Zeit der Pandemie zu kommen. Studierende, die merken, dass sie sich nicht mehr selbst helfen können, möchte ich aber wirklich ermutigen, auf mich zuzugehen und einen Beratungstermin zu vereinbaren. Jedes Gespräch wird absolut vertraulich behandelt, sodass niemand Hemmungen haben muss, sich zu öffnen.“

Anna-Maria de Veer

Zur Person:

Anna-Maria de Veer ist Psychologin und Psychologische Psychotherapeutin mit verhaltenstherapeutischer Ausrichtung. Sie leitet neben der Psychologischen Beratungsstelle auch die Allgemeine Studienberatung der PHB und ist als Psychotherapeutin in der Hochschulambulanz tätig.