Mai
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Dr. Jonas Schemmel: „Ein Missbrauch, den es nie gab – Wie Scheinerinnerungen entstehen und was Psychotherapie damit zu tun haben kann“ • Öffentlicher Vortrag

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Wie können Scheinerinnerungen entstehen und welche Möglichkeiten gibt es, sie von echten Erinnerungen zu unterscheiden? In seinem Vortrag erläutert Dr. Jonas Schemmel, Leiter der Forschungseinheit „Formen und Folgen abweichenden Verhaltens“ am Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen, wissenschaftliche Erkenntnisse zu Scheinerinnerungen und geht dabei auch darauf ein, welche psychotherapeutischen Settings Erinnerungsverfälschungen begünstigen können. Der Vortrag findet im Rahmen der öffentlichen Vortragsreihe „Vielfalt der Rechtspsychologie – Putting Science into Practice“ statt und wird webbasiert über Zoom angeboten. Die Zugangsdaten erhalten Sie nach der Anmeldung über das Formular am Ende dieser Seite. 

Gedächtnis- und aussagepsychologische Befunde zeigen, dass Menschen Erinnerungen an Ereignisse ausbilden können, die nie stattgefunden haben. Dies kann unter anderem von speziellen psychotherapeutischen Settings begünstigt werden, bei denen Erklärungen für Symptome gesucht und dabei neuartige, erinnerungsähnliche Bilder erzeugt werden können. Solche Scheinerinnerungen können besonders dann gravierende Konsequenzen haben, wenn sie strafrechtlich relevante Erlebnisse betreffen, z.B. sexuellen Kindesmissbrauch, und anschließend Gegenstand von Ermittlungs- und Gerichtsverfahren werden.

In dem Vortrag soll erläutert werden, was Scheinerinnerungen sind, wie genau sie entstehen können und inwieweit man sie von tatsächlichen Erinnerungen unterscheiden kann. Daran anschließend wird skizziert, welche besonderen psychotherapeutischen Rahmenbedingungen zur Ausbildung von Scheinerinnerungen beitragen können. Abschließend wird dargelegt, warum Psychotherapien vor und während laufender Strafverfahren dennoch nicht per se die Glaubhaftigkeit von Zeugenaussagen beeinträchtigen, wenn bestimmte therapeutische Rahmenbedingungen sichergestellt sind.

Informationen als PDF

Über Dr. Jonas Schemmel

  • seit 2022 Leiter der Forschungseinheit „Formen und Folgen abweichenden Verhaltens“ am Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen
  • seit 2016 tätig als forensisch-psychologischer Sachverständiger, v. a. zur Glaubhaftigkeit von Zeugenaussagen
  • 2021 Promotion zum Dr. rer. nat. an der Humboldt-Universität zu Berlin
  • 2020 Fachpsychologe für Rechtspsychologie BDP/DGPs
  • 2017-2022 wiss. Mitarbeiter an der PHB, Professur für Rechtspsychologie
  • 2017 M.Sc. Rechtspsychologie, Psychologische Hochschule Berlin (PHB)
  • 2015 Diplom Psychologie, Humboldt-Universität zu Berlin

Zur Anmeldung:

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Termin:
Uhr
Standort
Psychologische Hochschule Berlin (PHB)
Am Köllnischen Park 2
10179 Berlin