Forschungsprojekt: Chancen und Sackgassen – Interpersonelle Fähigkeiten von Therapeuten und psychodynamische Techniken in Therapiesitzungen mit gelösten und ungelösten Spannungen und Krisen

Projektträger: Heigl-Stiftung (2019-2022)
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Projektlaufzeit: 2012-2022
Projektleitung: Prof. Dr. Antje Gumz
Projektmitarbeiterinnen: Dr. Denise Kästner, Dr. Laurence Reuter, Antje Molitor

Spannungen und Krisen in der therapeutischen Beziehung („Alliance ruptures“) ereignen sich zwangsläufig und häufig im Verlauf jeder Psychotherapie und sind ein Anzeichen für das Verstricktsein von Therapeut und Patient in ein Enactment. Eine neue Beziehungserfahrung im Rahmen einer gelingenden Auflösung von Spannungen und Krisen zu erleben, stellt einen zentralen Wirkmechanismus von Psychotherapie dar. Prinzipiell ist bekannt, dass sich Therapeuten hinsichtlich ihrer Fähigkeit, eine gute Therapiebeziehung herzustellen, der Wahrscheinlichkeit von Therapieabbrüchen und der Therapieergebnisse ihrer Patienten unterscheiden. Es ist anzunehmen, dass sich diese Unterschiede insbesondere in spannungsreichen und krisenhaften Schlüsselsituationen abzeichnen und auswirken. Um konkrete Handlungsempfehlungen abzuleiten, ist es daher hoch relevant, Sitzungen mit gelösten und ungelösten Spannungen und Krisen näher zu charakterisieren.

Das Forschungsprojekt zielt darauf ab, psychodynamische Sitzungen, in denen die Auflösung von Spannungen und Krisen gelang vs. nicht gelang, im Hinblick auf die beobachtbaren interpersonellen therapeutischen Fähigkeiten sowie auf das Spektrum an verwendeten psychodynamischen Techniken zu charakterisieren.

Die interpersonellen therapeutischen Fähigkeiten werden mit dem FIS-Test zur Erfassung hilfreicher interpersoneller Fähigkeiten von Psychotherapeuten gemessen. Die verwendeten psychodynamischen Techniken werden mit der Psychodynamischen Interventionsliste operationalisiert (PIL; Gumz et al., 2017).

Bezüglich der Interventionstechniken werden die Hypothesen aufgestellt, dass die Therapeuten in Sitzungen mit gelösten (im Vergleich zu Sitzungen mit ungelösten) Spannungen und Krisen in stärkerem Ausmaß Übertragungsdeutungen im Hier und Jetzt sowie supportive Techniken verwenden und in geringerem Ausmaß genetische Übertragungsdeutungen.

In einem weiteren Projekt wird der Effekt der Verwendung verschiedener verbaler Interventionstechniken auf das Sitzungsoutcome (erlebte Klärung, Problembewältigung, Beziehung aus Patientensicht) analysiert. Dabei wird der moderierende Einfluss der initialen Symptomstärke geprüft.

Die Projekte sollen einen Beitrag dazu leisten, eine entscheidende Lücke in der Evidenz zu einem für die psychodynamische Theorie und Praxis sehr relevanten Thema zu schließen.

Kooperationspartner: Daubmann, UKE, Hamburg; Prof. C. Muran, Adelphi University New York; Prof. C.F. Eubanks, Yeshiva University New York; Prof. T. Anderson, Ohio University

Kontakt: Antje Gumz a.gumz@psychologische-hochschule.de; Tel. 030/ 20 91 66-282