Forschungsprojekt: Doing rupture. Eine multimethodale Beschreibung der intersubjektiven Dynamik von Spannungen und Krisen in der therapeutischen Beziehung.

 

Projektlaufzeit: 2021-2025
Projektleitung: Prof. Dr. Antje Gumz
Projektmitarbeiterinnen: Jelka Berger, Carmen Martinez Moura (Projektkoordinatorinnen), Kim Ackermann, Merle Burgstaller, Andreas Graff, Bernd Janning, Lili K. Kalmbach, Felix Klapprott, Ralf Palik, Anna Reczkowski, Charlotte von Sichart

Zwangsläufig ereignen sich Spannungen und Krisen in der therapeutischen Beziehung. Sie sind ein Anzeichen für eine Verstrickung in ein schwieriges Interaktionsmuster. Bei einer gelingenden Auflösung bieten sie die Chance für eine korrektive emotionale Erfahrung und Therapiefortschritte. Oft gelingt es Therapeuten und Therapeutinnen jedoch nicht ausreichend, konstruktiv mit solchen Rupturen umzugehen (Gumz, 2020). In diesem Fall bergen die Rupturen ein hohes Risiko für vorzeitige Therapieabbrüche und schlechte Therapieergebnisse. Die Entstehung von Spannungen und Krisen in der therapeutischen Beziehung wird in der bisherigen Forschung und auch in einem Großteil der psychotherapeutischen Fachliteratur als von der Patientin, dem Patienten und ihren oder seinen repetitiven interpersonellen Mustern verursacht betrachtet. Doch was trägt die Therapeutin, der Therapeut bei? Wie reflektieren Therapeuten über ihre Anteile an der Entstehung einer Spannung oder Krise? Inwieweit bringen sie ihre Anteile in den therapeutischen Dialog ein? Gibt es unbewusste Anteile, die aus Beobachterperspektive herausgearbeitet oder im Nachhinein von den Therapeuten reflektiert werden können? Und inwieweit ändert sich die Perspektive nach Supervision?

Diese Fragen sollen im Rahmen von drei konsekutiven, qualitativen Studien beleuchtet werden:  1) In Teilstudie 1 werden erfahrene und unerfahrene Therapeut/innen aller Richtlinienverfahren (N=24, je drei erfahrene bzw. unerfahrene Therapeut/innen pro Verfahren) mittels leitfadengestützter Interviews zum Erleben einer konkreten spannungsreichen Situation befragt (subjektive Ebene, Erfassen bewusster expliziter Anteile). Die Interviews werden anschließend mittels der Consensual-Qualitative-Research- Methode (Hill, 2012) ausgewertet. Dabei werden bewusste Konzepte und Haltungen im Umgang mit Spannungen herausgearbeitet. 2) Im Anschluss an die Interviews finden in Teilstudie 2 Gruppensupervisionssitzungen mit den 24 Therapeuten statt (Gruppen mit je vier Therapeuten), in denen Rollenspiele zu den spannungsreichen Situationen durchgeführt und im Forschungsteam tiefenhermeneutisch interpretiert werden. Durch die tiefenhermeneutische Auswertung sollen neben den bewussten auch die unbewussten, impliziten Anteile des Therapeuten am Geschehen herausgearbeitet werden. 3)  In Teilstudie 3 sollen entsprechend dem Vorgehen von Teilstudie 1 die teilnehmenden Therapeuten und Therapeutinnen nochmals befragt werden. Der Fokus der Interviews liegt dabei auf der Wirkung der Supervision (Teilstudie 2) auf die Reflektion über die Spannungen und Krisen und die intrapsychischen und interpersonellen Dynamiken.

Das Forschungsprojekt soll einen Beitrag dazu leisten, die Rolle des Therapeuten, der Therapeutin an der Entstehung und Aufrechterhaltung von Spannungen und Krisen näher zu beleuchten. Implikationen für die psychotherapeutische Aus- und Weiterbildung sowie die Supervision sollen herausgearbeitet werden. Die durch das Projekt adressierten Themen werden zunehmend verfahrensübergreifend diskutiert. Gleichwohl ist es fraglos die psychodynamische Theorie, die dazu die längste Tradition aufweist. Es ist bedeutsam, die psychodynamische Forschung auf diesem Gebiet voranzutreiben und mit der existierenden Theorie zu verknüpfen (Gumz u. Geyer, 2021).

Kooperationspartner: Prof. B. Strauß, FSU Jena

Kontakt: a.gumz@phb.de; Tel. 030/ 20 91 66-282

Kontakt

Prof. Antje Gumz