Vielfalt der Rechtspsychologie - Putting Science into Practice

Die Rechtspsychologie ist ein angewandtes Feld der Psychologie, das mithilfe empirisch-wissenschaftlicher Methoden Fragestellungen zum menschlichen Erleben und Verhalten innerhalb des Rechtssystems bearbeitet. Beispiele für rechtspsychologische Arbeitsfelder sind die Erstellung psychologischer Gutachten z.B. zur Rückfallprognose von Straftätern oder zur Glaubhaftigkeit von Zeugenaussagen, die Behandlung von (psychisch kranken) Straftätern oder die Polizeipsychologie.

In der Reihe „Vielfalt der Rechtspsychologie – Putting Science Into Practice“ des M.Sc. Rechtspsychologie an der Psychologischen Hochschule Berlin (PHB) stellen Expertinnen und Experten der Rechtspsychologie aus ganz Deutschland ihr jeweiliges Arbeitsfeld vor. Dabei wird der wissenschaftliche Erkenntnisstand zum eigenen Arbeitsbereich vorgestellt und anschaulich auf praktische Fragestellungen im rechtlich-psychologischen Alltag bezogen.

Dr. Martin Schmucker

Nächster Vortrag

Mission (im)possible?! – Zur Behandlung von Sexualstraftätern

Dr. Martin Schmucker
Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg
Lehrstuhl für Psychologische Diagnostik, Methodenlehre und Rechtspsychologie

22.04.2021  | 19:00 – 20:30 Uhr
Online-Vortrag auf Zoom

Hintergrund

In den letzten 20 bis 30 Jahren ist die Frage des angemessenen Umgangs mit Sexualstraftätern immer stärker in den professionellen und öffentlichen Fokus gerückt. Eine wesentliche Rolle spielte dabei die Behandlung von Sexualstraftätern. In dieser Zeit wurden daher auch die Behandlungskapazitäten sowohl in Haft- wie auch in ambulanten Settings stark ausgebaut.

Im Vortrag soll diese Entwicklung nachgezeichnet und Ansatzpunkte und Strategien der Behandlung von Sexualstraftätern aufgezeigt werden. Dabei soll vor allem auf die Besonderheiten eingegangen werden, die sich bei der Behandlung von Sexualstraftätern ergeben: Das betrifft zum ersten den Kontext der Behandlung, der einen mehr oder weniger starken Zwangscharakter hat. Zum zweiten betrifft es die Spezifika der Klientel. Zum Dritten die spezifischen Zielsetzungen der Behandlung, die letztlich die Verhinderung von Rückfällen im Blick hat. Um erfolgreich zu sein, muss die Behandlung diesen Besonderheiten Rechnung tragen, ist in ihrem Erfolg aber auch durch die darin zutage tretenden Erschwernisse behindert. Zuletzt wirft der Vortrag daher auch einen Blick auf die Wirksamkeitsforschung und die Frage, ob eine zielführende Behandlung möglich ist, und von welchen Faktoren der Behandlungserfolg beeinflusst wird.

Über Dr. Martin Schmucker

  • Studium der Psychologie an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
  • Im Anschluss wissenschaftlicher Mitarbeiter ebendort (seit 2000)
  • 2004 Promotion: „Kann Therapie Rückfälle verhindern? Metaanalytische Ergebnisse zur Wirksamkeit der Sexualstraftäterbehandlung“
  • 2007 Nachwuchsförderpreis der Fachgruppe Rechtspsychologie der Deutschen Gesellschaft für Psychologie
  • Seit 2014 Akademischer Oberrat am Lehrstuhl für Psychologische Diagnostik, Methodenlehre und Rechtspsychologie der FAU Erlangen-Nürnberg

Bisherige Veranstaltungen der Reihe:

19.11.2020
„Lügendetektion – Funktioniert das?“

Prof. Dr. Matthias Gamer
Julius-Maximilians-Universität Würzburg, Institut für Klinische Experimentelle Psychologie

16.01.2020
„Falsche Geständnisse – Warum Menschen Verbrechen gestehen, die sie nicht begangen haben“

Prof. Dr. Volbert
Professorin für Rechtspsychologie an der Psychologische Hochschule Berlin (PHB)

07.11.2019
„Was ist eigentlich ein Psychopath? – Mythos und Realität“

Prof. Dr. Mokros
Leiter des Fachbereichs Persönlichkeits-, Rechtspsychologie und Diagnostik an der Fernuniversität Hagen

23.05.2019
„Sexueller Kindesmissbrauch in digitalen Medien – Phänomenologie, Prävalenz, Prävention von Online Grooming“

Dr. Laura Kuhle
Sexualtherapeutin und Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Sexualwissenschaft und Sexualmedizin an der Charité Berlin

07.02.2019
„Messer weg!“ – Polizeilicher Umgang mit psychisch erkrankten Personen im Spannungsfeld zwischen Kommunikation und Zwangsanwendung“

Prof. Dr. Biedermann
Professor an der Fachhochschule der Polizei des Landes Brandenburg

22.11.2018
„Therapieziel: Vermeidung schwerer Straftaten – Ambulante forensische Nachsorge für entlassene Gewalt- und Sexualstraftäter“

Dr. Tatjana Voß
Leiterin der Forensisch-Therapeutischen Ambulanz, Charité Berlin