Hilfe bei der Bewältigung von Krieg und Trauma: Abkommen für transnationales Hilfsprojekt für Menschen in der Ukraine unterzeichnet

Die Psychologische Hochschule Berlin (PHB) hat mit der National Academy of Educational Sciences of Ukraine (NAES) ein Kooperationsabkommen zum gemeinsamen Hilfsprojekt „hope – helping to cope abgeschlossen. Das Abkommen wurde von Dr. Günter Koch, Geschäftsführer der PHB, und Prof. Dr. Vitalii Panok, Präsidiumsmitglied der NAES, unterzeichnet. Es besiegelt eine Zusammenarbeit über Grenzen hinweg, die unbürokratisch und schnell eine wichtige Versorgungslücke vor Ort schließen soll: die akutpsychologische Betreuung vom Krieg betroffener Kinder und Jugendlicher in der Ukraine.

 

Koordiniert von Prof. Johanna Böttcher (PHB) und Yuriy Luzenko (NAES) werden ukrainische SchulpsychologInnen im Umgang mit psychologischen Kriegsfolgen bei Kindern und Jugendlichen ausgebildet. Um eine schnelle Versorgung Betroffener zu gewährleisten, werden dabei sowohl Maßnahmen zur Prävention (Teilprojekt PREVENT) als auch zur Behandlung (Teilprojekt INTERVENE) systematisch vermittelt.

 

Mit dem Treffen der ProjektinitiatorInnen an der PHB hat sich nun ein Kreis geschlossen: Nach Beginn der Bombardements auf Kiew waren Prof. Panok und seine Tochter, die Psychologin Iryna Panok, aus der Ukraine nach Berlin geflüchtet. In Berlin angekommen beschlossen sie, psychologische Unterstützung für ihre Landsleute zu organisieren. Durch Internetrecherchen wurden sie auf die PHB aufmerksam: “We literally went door-to-door in the University and asked faculty members if they could help us find someone who could give us some guidance on how we might go about setting up an educational program on psychological aid”, erzählt Iryna Panok.

 

Die Hochschulleitung der PHB und Prof. Johanna Böttcher, Koordinatorin der Ukraine-Hilfsprojekte an der PHB, sagten schnelle und unbürokratische Unterstützung zu. Das Ziel des Projekts beschreibt Prof. Böttcher so: „Unsere KollegInnen in der Ukraine stehen vor der immensen Herausforderung, die psychologischen Folgen des Krieges aufzufangen. SchulpsychologInnen spielen hier eine Schlüsselrolle, da sie nah und zugänglich für Familien sind. Durch das hope-Projekt wollen wir sie bei ihrer großen Aufgabe unterstützen. Zusammen mit unseren ukrainischen KollegInnen wollen wir Fachkompetenzen vermitteln, Ressourcen stärken, und Überforderung, so weit es geht, vorbeugen. Wir wollen auch signalisieren, dass sie in dieser schwierigen Zeit nicht alleine sind.“

 

Ein halbes Jahr später war die Pilotphase des hope-Projekts erfolgreich beendet. Zusammen mit 15 Psychologen und Psychologinnen aus der Region Ivana-Frankivsk, der ostukrainischen Region Sumy sowie der aktuell unter Beschuss stehenden Dnipro-Region waren in dieser Phase die Bedarfe und Ansprüche der Zielgruppe erhoben und Lehrinhalte für die Workshops ausgewählt worden. Auf dieser Grundlage wurde eine Weiterbildung entwickelt, die im November gestartet ist und in der notfallpsychologische Kompetenzen zum Umgang mit akut traumatisierten Menschen vermittelt werden. Bis März nächsten Jahres werden 45 PsychologInnen weitergebildet, die im Anschluss wiederum andere PsychologInnen vor Ort ausbilden sollen. Auf diese Weise soll in den nächsten Monaten die psychologische Versorgung von Kindern und Jugendlichen vor Ort in der Ukraine exponentiell gesteigert werden. Die Erkenntnisse des Projekts sollen wissenschaftlich analysiert werden und als Grundlage zur Verbesserung von Gesundheitssystemen dienen.

 

Das Projekt hope – helping to cope wird getragen von der Psychologischen Hochschule Berlin (PHB) und der National Academy of Educational Sciences of Ukraine (NAES). Es wird gefördert von der AETAS Kinderstiftung und der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ).

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