Mai
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Diversity-Tag 2021 | Prof. Frank Jacobi: „Alles WEIRD? Diversitätsprobleme in der psychologischen Forschung“

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An der Psychologischen Hochschule Berlin (PHB) ist uns Diversitätsbewusstsein ein wichtiges Anliegen. Die PHB ist daher Unterzeichnerin der Charta der Vielfalt und beteiligt sich regelmäßig am Deutschen Diversitytag. Auch dieses Jahr möchten wir auf dieses Thema aufmerksam machen und aufzeigen, auf welchen unterschiedlichen Ebenen Diversität in der Psychologie eine Bedeutung hat. Prof. Dr. Frank Jacobi wird in seinem Vortrag dabei auf Diversitätsdefizite eingehen, die die psychologische Forschung selbst noch zu verzeichnen hat, und anschließend auch skizzieren, welche Lösungsansätze für dieses Problem verfolgt werden. Interessierte können sich über das Formular am Ende dieser Seite für den Vortrag anmelden.

 

Zum Vortrag:

Psychologische Gesetzmäßigkeiten und Erkenntnisse können nicht den Anspruch erheben, für alle Menschen in gleicher Weise zu gelten. So gibt es auch bei Themen der Allgemeinen Psychologie – also bei Fragen zu Wahrnehmung, Bewusstsein, Gedächtnis, Emotion und Denken – individuelle oder gruppenbezogene Unterschiede, die es in Abhängigkeit von kulturellen Rahmenbedingungen zu untersuchen gilt. Genau dies kommt aber in der psychologischen Wissenschaft an vielen Stellen zu kurz: Die große Vielfalt der menschlichen Spezies und ihres Erlebens und Verhaltens wird oft nicht angemessen berücksichtigt – wir müssen hier also Diversitäts-Defizite zu verzeichnen.

Diese Diversitätsdefizite zeigen sich in der psychologischen Forschung auf zwei Ebenen: Einerseits ist die Diversität der Forschenden selbst im Wissenschaftsbetrieb eingeschränkt. Darüber hinaus arbeitet ein Großteil der psychologischen Studien mit nur begrenzt repräsentativen Probanden: Die meisten der in Fachpublikationen veröffentlichten Studien untersuchen Menschen mit sozioökonomischen Hintergründen, die eine Forschungsgruppe der University of British Columbia im Jahr 2010 als „WEIRD“ (englisch: weird = seltsam, verrückt) bezeichnete. Mit diesem Akronym fassten die Forscher die Merkmale „western, educated, industrialized, rich, democratic“ zusammen. Menschen mit diesen Eigenschaften bilden die „standard subjects“ in 96 Prozent aller psychologischen Stichproben – sie repräsentieren aber gleichzeitig nur 12 Prozent der Weltbevölkerung.

Anlässlich des Diversity-Tags widmet sich Prof. Dr. Frank Jacobi, Prorektor der PHB und Leiter des Fachbereichs Klinische Psychologie und Psychotherapie (Verhaltenstherapie), diesem Thema. In seinem Vortrag illustriert er einerseits Diversitätsprobleme der Psychologie wie die beschriebene Nicht-Repräsentativität von Studien oder Probleme geschlechtsspezifischer Forschung. Darüber hinaus sollen der Wissenschaft innewohnende Empfehlungen und Lösungsansätze wie z.B. die sorgfältigere Interpretation von Befunden, kulturvergleichende Forschung, open science oder die Entwicklung neuer Konzeptualisierungen skizziert werden.

Zur Person:
Prof Jacobi Portrait

Prof. Frank Jacobi ist Professor für Klinische Psychologie und Psychotherapie mit Schwerpunkt Verhaltenstherapie und Prorektor der PHB. Zu seinen Forschungsthemen gehört unter anderem die Evaluation und Qualitätssicherung in der Psychotherapieforschung.

Mehr Infos

Aufgrund der Corona-Pandemie bieten wir Veranstaltungen aktuell webbasiert über Zoom an. Interessierte melden sich bitte unter dem folgenden Anmeldeformular an – Sie erhalten die Zugangsdaten dann per Email. Hinweis: Die Zugangsdaten für die Vorträge von Prof. Frank Jacobi und Josua Handerer zum Diversity-Tag sind die gleichen. Wenn Sie sich für einen der Vorträge anmelden, können Sie also an beiden Veranstaltungen teilnehmen.

Details:

Termin
Uhr
Standort
Psychologische Hochschule Berlin
Am Köllnischen Park 2
10179 Berlin