Mai
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Dr. Inga Schalinski: „Traumata und ihre Folgen. Wie wir Menschen mit traumatischen Erfahrungen umgehen – und wann sie uns krank machen“

Uhr

Das Thema „Trauma“ ist durch den Krieg in der Ukraine erneut in das Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt worden. Wie gehen Menschen mit traumatischen Erfahrungen um? Wann wird ihre Psyche krank? Welche Folgen können sich daraus ergeben? Und wie wirken sich eine Flucht und die Umstände im Aufnahmeland auf die psychische Gesundheit aus? Im Rahmen der neuen PHB-Vortragsreihe „Psychologie und Gesellschaft“ stellt Dr. Inga Schalinski, Vertretungsprofessorin im Schwerpunkt Klinische Psychologie und Psychotherapie, wissenschaftliche Erkenntnisse zu Ursachen und Folgen von Traumata vor.

Menschen waren im Zuge ihrer Geschichte vielfach traumatischen Erfahrungen ausgesetzt und verfügen über verschiedene Reaktionen, die sie darin unterstützen zu überleben. Insbesondere dann, wenn Menschen über ihr Leben hinweg wiederholt traumatische Erfahrungen machen oder diese von extremem Ausmaß sind, kann sich dies jedoch auf die Psyche auswirken. Die Folgen von traumatischen Erfahrungen sind vielfältig. So kann es sein, dass Menschen Albträume erleben oder die jeweiligen Erfahrungen ganz real vor den inneren Augen sehen, als würden diese gerade in diesem Moment geschehen. Diese Probleme werden in der Fachsprache als Kennzeichen einer Posttraumatischen Belastungsstörung gesehen und sind eine häufige Folge von traumatischen Erfahrungen.

Menschen, die flüchten, machen besonders häufig traumatische Erfahrungen – und einige leiden unter den Folgen einer posttraumatischen Belastungsstörung. Auch nach einer erfolgreichen Flucht stehen Geflüchtete häufig vor neuen Herausforderungen: sie sind mit neuen Umständen konfrontiert, die in der Fachsprache als Postmigrationsstressoren bezeichnet werden (wie beispielsweise Unterbringungen in Massenunterkünften, bürokratische Hürden, Unsicherheit über die Zukunft, Feindseligkeiten, belastende Nachrichten von Angehörigen und FreundInnen). Auch Postmigrationsstressoren können die psychische Gesundheit sehr belasten.

In ihrem Vortrag stellt Dr. Inga Schalinski wissenschaftliche Erkenntnisse zu den Ursachen und Folgen traumatischer Erlebnisse im Zusammenhang von Krieg und Flucht vor und thematisiert dabei auch, wann Belastungen für Menschen mit psychischen Erkrankungen einhergehen – und was sie davor schützt. Abschließend geht sie auf psychologische Behandlungsmöglichkeiten ein.

Der Vortrag findet vor Ort im Hörsaal der PHB statt. Wir bitten um Anmeldung über das Formular am Ende der Seite.

Dr. Inga Schalinski

Zur Person: Dr. Schalinski hat an der Universität Konstanz zum Thema “Psychophysiology of the Defense Cascade and its Relation to Posttraumatic Stress Disorder” promoviert. Als Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Konstanz und an der Charité Berlin hat sie sich in der Folge vor allem mit den Themen Gewalt, Krieg und Traumata beschäftigt. Darüber hinaus erforscht sie ihre Auswirkungen auf psychologische Funktionen, biologische Parameter und Gesundheit. Neben den Zusammenhängen von stressreichen Erfahrungen und der Gesundheit ist ein weiterer Schwerpunkt ihrer Arbeit die Behandlung von Traumafolgestörungen mittels Narrativer Expositionstherapie. An der PHB hat Dr. Schalinski in den letzten beiden Semestern Prof. Nikola Stenzel in der Lehre vertreten.

Zur Vortragsreihe: Unsere Gesellschaft befindet sich in einem Prozess beständigen Wandels, der in den letzten Jahren auf verschiedenen Ebenen krisenhafte Ausformungen angenommen hat. Die Klimakrise, die Corona-Pandemie, der Ukrainekrieg und damit einhergehend neue Flucht- und Migrationsbewegungen haben das Leben vieler Menschen erschüttert und bisheri­ge Lebensweisen und Gewissheiten aufgelöst. Dabei ist die Gesellschaft zunehmend mit Spannungen und Konflikten konfrontiert, die Gefahren der Eskalation und Spaltung mit sich bringen.

Wie kann die Psychologie – in ihrer Doppelrolle als Wissenschaft und als Profession – an dieser Stelle unterstützen? Welche gesellschaftlichen Aufgaben hat sie in Zeiten von Krisen, Konflikten und Unsicherheiten? Welche Beiträge kann sie bei der Weiterentwicklung einer lebenswerten Gesellschaft leisten und wie kann sie gesellschaftlichen Zusammenhalt und Resilienz fördern? Diesen Themen widmet sich die neue Vortragsreihe „Psychologie und Gesellschaft“, die die PHB in Kooperation mit der Sektion Politische Psychologie des Berufsverbandes deutscher Psychologinnen und Psychologen ins Leben gerufen hat.

Details:

Termin:
Uhr
Standort
Psychologische Hochschule Berlin (PHB)
Am Köllnischen Park 2
10179 Berlin