Jul
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Dr. Claudia Bueno: „Trauma und Aggression in Kriegszeiten: zur Perspektive der Kämpfenden“

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„Psychologie und Gesellschaft“ lautet der Titel einer neuen Vortragsreihe, die die PHB in Kooperation mit der Sektion Politische Psychologie des BDP neu ins Leben gerufen hat. In öffentlichen Vorträgen möchten wir die gesellschaftliche Rolle der Psychologie – ihre Aufgaben und Beiträge für eine resiliente und lebenswerte Gesellschaft beleuchten und reflektieren. Vor dem Hintergrund des Krieges in der Ukraine werden sich die Vorträge des Sommersemesters mit den Themen „Krieg und Flucht“ beschäftigen.

In Kriegsgebieten sind sowohl Opfer als auch Täter kontinuierlich enormen Formen von Gewalt ausgesetzt. Diverse Forschungen haben gezeigt, dass eine Person, die akkumulativ traumatischen Erfahrungen ausgesetzt ist – was organisierte Gewalt miteinschließt, ein erhöhtes Risiko hat an einer traumabezogenen Störung zu erkranken. Dies schließt die Posttraumatische Belastungsstörung, Depression oder Substanzmissbrauch mit ein. All dies sind Störungen, die häufig mit Opfern von bewaffneten Konflikten assoziiert werden und welche Verzeihen und Versöhnung verhindern.

Im Fall von Tätern kann das Ausüben von Gewalt (beispielweise Folter und Vergewaltigung) ebenfalls zu eigenen Traumatisierungen, zu Angst und Horror führen. Aktuelle Forschungen zeigen jedoch in vielen Fällen eine umgekehrte Beziehung zwischen Tendenzen zu Gewaltausübung und Trauma. Demnach enthalten Gewaltstimuli und Gewaltakte auch eine anziehende Komponente und werden von Tätern positiv wahrgenommen. So bildet sich eine Faszination an Aggression, ein Verhalten, das versucht, anderen Personen zu schaden, um die positiven mit Gewalt verbundenen Effekte zu erleben. Es ist notwendig all diese Aspekte, die mit gesellschaftlichen Akteuren verknüpft sind zu analysieren und zu verstehen, um sich der Krise in gewaltvollen Gesellschaften zu stellen und diese zu lösen.

Der Vortrag findet vor Ort im Hörsaal der PHB statt. Wir bitten um Anmeldung über das Formular am Ende der Seite.

Zur Person: Dr. Bueno hat an der Universität Konstanz im Fachbereich der klinischen Psychologie mit Schwerpunkt Traumafolgestörungen promoviert. Dabei hat sie mittels diverser epidemiologischer Studien die Traumaexposition und die psychische Belastung von Tätern und Opfern durch organisierte Gewalt in lateinamerikanischen Kriegsregionen untersucht. Am Kompetenzzentrum für Psychotraumatologie der Universität Konstanz bildete sie sich über viele Jahre in traumafokussierten Verfahren aus und arbeitete mit Flüchtlinge mit Traumafolgestörungen aus unterschiedlichsten Kriegsregionen. Hierbei wendete sie vor allem die Narrative Expositionstherapie (NET) an, einem verhaltenstherapeutischen Verfahren für die Behandlung Überlebender mit multiplen und komplexen Traumatisierungen. Sie supervidierte auch lokale PsychologInnen in Diagnostik und Behandlung von Traumafolgestörungen bei illegalen Ex-Kombattanten in Kolumbien. Sie war zudem Hochschuldozentin in lateinamerikanischen Universitäten und ist seit dem Sommersemester 2021 wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Rostock.

Zur Vortragsreihe: Unsere Gesellschaft befindet sich in einem Prozess beständigen Wandels. In den letzten Jahren hat dieser Prozess auf einigen Ebenen krisenhafte Ausformungen angenommen. Die Klimakrise, die Corona-Pandemie, der Ukrainekrieg und damit einhergehend neue Flucht- und Migrationsbewegungen haben das Leben vieler Menschen erschüttert und bisheri­ge Lebensweisen und Gewissheiten aufgelöst. Dabei ist die Gesellschaft zunehmend mit Spannungen und Konflikten konfrontiert, die Gefahren der Eskalation und Spaltung mit sich bringen.

Wie kann die Psychologie – mit ihrer Doppelrolle als Wissenschaft und als Profession – an dieser Stelle unterstützen? Welche gesellschaftlichen Aufgaben hat sie in Zeiten von Krisen, Konflikten und Unsicherheiten? Welche Beiträge kann sie bei der Weiterentwicklung einer lebenswerten Gesellschaft leisten und wie kann sie gesellschaftlichen Zusammenhalt und Resilienz fördern? Diesen Themen widmet sich die neue Vortragsreihe „Psychologie und Gesellschaft“, die die PHB in Kooperation mit der Sektion Politische Psychologie des Berufsverbandes deutscher Psychologinnen und Psychologen ins Leben gerufen hat.

Zur Anmeldung:

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Termin:
Uhr
Standort
Psychologische Hochschule Berlin (PHB)
Am Köllnischen Park 2
10179 Berlin