Prof. Zumbach: „Und was willst du? Die Erfassung des Kindeswillens als wichtiges Konstrukt für die psychologische Begutachtung im Familienrecht“ • Antrittsvorlesung

Veranstaltungsdetails

  • Datum:
  • Ort: Psychologische Hochschule Berlin (PHB)
  • Am Köllnischen Park 2
  • 10179 Berlin
  • Anmeldung: kontakt@psychologische-hochschule.de

Wenn Lebensortfragen von Kindern nach Inobhutnahmen oder nach Elterntrennungen getroffen werden müssen, oder wenn ein Kind eine lebenserhaltende medizinische Behandlung verweigert, stellen sich Probleme, die einer gesellschaftlichen und juristischen Lösung bedürfen. Um die Forderung nach der Teilhabe des Kindes an bedeutsamen Lebensentscheidungen im Sinne der UN Kinderrechtskonvention ernsthaft umzusetzen, muss der Kindeswille Beachtung finden. Dabei stellen sich jedoch erhebliche Probleme in der Operationalisierung und Erfassung dieses Konstrukts. Empirisch-psychologische Erkenntnisse liegen zum Kindeswillen kaum vor. Kritische Stimmen fragen zudem, ob es einen nicht-induzierten Kindeswillen überhaupt geben kann, oder ob man Kinder zu einer Meinungsäußerung drängen soll, die sie einem nicht von selbst anbieten.

In ihrer Antrittsvorlesung gibt Prof. Jelena Zumbach einen Einblick in Ergebnisse aus einer Pilotstudie zu Entstehungsprozessen von kindlichen Willenshaltungen. Die Studie geht den Fragen nach, wie Kinder für sich selbst definieren, wann und warum sie etwas wollen und wie dies mit Kriterien, die sich der psychologischen Literatur entnehmen lassen, übereinstimmt. In einem zweiten Schritt wird analysiert, ob Kriterien, die Kinder selbst benannt haben, mit ihrem kognitiven und emotionalen Entwicklungsstand zusammenhängen. Die Forschungsarbeit wird in ein übergeordnetes künftiges Forschungsprojekt eingeordnet, welches das Ziel hat längsschnittliche Einflüsse psychischer und entwicklungsrelevanter Merkmale im Rahmen der psychologischen Begutachtung im Familienrecht zu untersuchen.


Zur Person:

Prof. Dr. Jelena Zumbach hat zum Wintersemester 2018/2019 die Leitung der deutschlandweit ersten Professur für Familienrechtspsychologie angetreten. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Entwicklungschancen von Kindern und Jugendlichen in Hochrisikolagen, kindliche Willensprozesse sowie psychologische Diagnostik in der familienrechtlichen Begutachtung.